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Kleine Schnipsel

Evalie Wagner schöpft aus dem Vollen ihrer persönlichen Alltagswelt

„Eigentlich arbeite ich an allem - und überall gleichzeitig," sagt sie und deutet auf den großen Tisch im Grazer RONDO-Atelier, auf dem sie ihre Werkstücke und Ideen in unterschiedlichen Stadien nebeneinander ausgebreitet hat. Und geht von einem Stück zum nächsten. Von einer Geschichte, einem Eindruck, einem Schnipsel, das gerade verwertet wird. Und weil der Tisch ihrer Meinung nach noch viel größer hätte sein können, wuchern die Dinge auch auf dem Boden und an der Wand weiter. Wen wundert's, ist Evalie Wagner doch eine passionierte Sammlerin. Interessante Bildmotive aus Zeitungen und Zeitschriften, Songzeilen oder Plattencovers wandern stets in ihren wohlsortierten Fundus: Irgendein bestimmtes Moment lässt sie aus der Flut des Gesehenen hervorspringen. Und so werden sie sorgfältig zwischen Zeichenpapier protokolliert und präpariert, in Skizzenbüchern und Sammelordnern verwaltet, oft mit kleinen Kugelschreibernotizen versehen, ehe sie einmal hier auf der Ausführungsstrecke landen.

Meist sind es Natur- und Tierdarstellungen, aber auch klischeebesetzte Frauen- und Fernwehbilder, die ihr als Anstöße dienen. Wie jene Urlaubsleporellos mit den schönen, bunten Fotos, die schon der Großvater gern gesammelt hat. Nach und nach dechiffriert und kombiniert sie diese gefundenen Fragmente in neuen Bezugsfeldern, begegnet Bedeutungsebenen mit bewusst gesetzten Leerstellen, indem sie Inhalte wegkratzt, sich sloganhaft ins Bild einschreibt und so zum Beispiel die urlaubsbedingte Suche nach dem perfekten Ort und dessen Inszenierung zur Disposition stellt.

Ausprobiert hat sie als Künstlerin schon vieles, erzählt Evalie Wagner: Von der textilen Richtung mit Stoffen und Mode ist sie im Studium zur experimentellen Kunst mit Video und Performance gewechselt und schließlich am Ende beim unmittelbaren Handwerk, der Malerei und Illustration, gelandet. Es ist ihr Alltag, den sie collagenhaft umzuarbeiten sucht, eine von persönlichen Vorlieben gefärbte Auswahl, in der nicht zuletzt auch Tradition ihre Rolle spielt, mit der sie in Oberösterreich aufgewachsen ist. Etwa in Form jener überlieferten Muster oder bunten Kopftücher, die man ganz salopp als „Dirndlstoffe" subsummiert. Aus „Dirndln" werden Frauenportraits vom Land: Gemalt auf fein geblümter Leinwand, reflektieren sie das naive Bild einer Märchenwerbewelt. Mit süßen Bambies, wie sie das Leben landläufig eben so mit sich bringt.

Echte Emotionen hält Evalie Wagner als großformatige Köperhaltungen mit zarten Kugelschreiberstrichen fest, sich selbst portraitiert sie dabei „swingend" auf der Discokugel. „Musik war schon immer ein wichtiger Teil meines Lebens" - so werden auf Bilderrückseiten schon mal jene Songtitel vermerkt, die die Arbeit beflügelten oder aber die reale Gitarre als Vergeltung für die nie gewagte Musikerkarriere geteert und gefedert. Umso engagierter widmet sie sich dem visuellen Part der Musik, sie sammelt und analysiert Plattencovers und deren Bildmotivik und versucht diese mittels Übermalungen umzudeuten, oder sie setzt eigene Collagen ins begehrte Quadratformat. Es ist ein Spiel mit Formen und Sujets - und viele Musiker schöpfen wie Evalie Wagner diesbezüglich bevorzugt aus dem Füllhorn der Natur. „It is the marriage of the soul with nature that makes the intellect fruitful, and gives birth to imagination", könnte man an dieser Stelle mit den Worten Henry David Thoreaus ein Motiv illustrieren, das eine nicht minder klischeebesetzte „Zurück zur Natur"-Bewegung sich auf die bedruckten Oberflächen heftet. Eine Sehnsucht, die auch der Titel von Evalie Wagners Diplomarbeit anstimmt: „Die neue Liebe der Natur in der Musik, am Beispiel des Plattencovers". Und der sie in ausgewählten, theatralisch gefärbten Landschaftsquadraten ganz bewusst mit weißen Flecken begegnet.


Externe Verknüpfung www.evaliewagner.com


Eva Pichler, Mai 2011

Komm mein Mädchen in die Berge, wo der Himmel tiefer blaut. © Evalie Wagner
Komm mein Mädchen in die Berge, wo der Himmel tiefer blaut.
© Evalie Wagner
This must be the place © Evalie Wagner
This must be the place
© Evalie Wagner
Golden Bambi © Evalie Wagner
Golden Bambi
© Evalie Wagner
Anywhere i lay my head © Evalie Wagner
Anywhere i lay my head
© Evalie Wagner
Oh my deer © Evalie Wagner
Oh my deer
© Evalie Wagner
no artificial fire © Evalie Wagner
no artificial fire
© Evalie Wagner
This lady is swinging, you´d better swing too! © Evalie Wagner
This lady is swinging, you´d better swing too!
© Evalie Wagner
Cat Power © Evalie Wagner
Cat Power
© Evalie Wagner
Littlebits © Evalie Wagner
Littlebits
© Evalie Wagner
Evalie Wagner © Evalie Wagner
Evalie Wagner
© Evalie Wagner