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Tibetische Cowboys aus Graz

Das Musiker-Duo "Spring and the Land" ist auf dem Sprung zu einer sehr eigenen akustisch-elektronischen Kern-Fusion

Jacques Bush und Marino Acapulco (richtig erraten: es handelt sich um Künstlernamen) lernten sich rund um das Jahr 1994 bei der legendären Grazer Band Schlauch kennen. Von 1991 bis 1997 war Schlauch als Industrial Performance Gruppe in Österreich, aber auch im benachbarten Ausland unterwegs. Mit im Gepäck jede Menge schwergewichtige Perkussions-Apparaturen und seltsame Tracks zwischen Geräusch und Irrsinn, Schlagermelodie und sturem Anti-Rhythmus. Nach der Auflösung der Band wollten Bush und Acapulco unter dem Signet „dogboy!" ein größeres Publikum erreichen und trafen mit ihrem elektronischen Pop-Sound auf viel Resonanz. Statt großem analogem Aufwand geriet nun der Computer ins Zentrum des Geschehens.

Das Album „Watersports" (2002) wurde auf FM4 in heftiger Rotation gespielt, ein Song landete sogar als musikalische Untermalung im Schweizer Fernsehen, und auch ein deutscher Sender setzte wiederholt Sounds der beiden Grazer ein. „Im Grunde genommen kam die CD wahrscheinlich ein paar Jahre zu früh für österreichische Verhältnisse", sagt Jacques Bush heute. „Pop-Musik im alternativen Kontext war damals gerade verpönt. Wir haben uns zum Beispiel an den Pet Shop Boys orientiert und die waren ja zu dieser Zeit nicht mehr wirklich im Aufwind." Nach einem Konzert war dogboy! zumindest live schon wieder Geschichte. Dazu kam die absurde Situation, dass ein nordamerikanischer Rapper sich später den selben Namen verpasste und etliche Tantiemen-Zahlungen, die für die beiden Grazer bestimmt gewesen wären, in die USA flossen. „Als Österreicher hat man da kaum eine Chance, sein Geld wieder zu bekommen", sagt Acapulco. „Wir hätten den Namen für Europa schützen können, aber in den USA hätte uns das nicht geholfen und so uninteressant ist der Markt ja nicht", ergänzt Jacques Bush.

Mit dem neuen Namen "Spring and the Land", der einem eigenen Songtitel entnommen wurde, war auch eine geänderte musikalische Richtung verbunden. Akustik löste Elektronik ab. Außerdem verstärkten sich Bush und Acapulco durch Gert Huth, rei4real und David Kuenstner. Das Schwergewicht auf englischsprachiges Songwriting, das blieb auch beim Nachfolgeprojekt weiter bestehen. Wobei Nachfolgeprojekt? dogboy! existiert durchaus weiter im Verborgenen, für die kommenden Monate planen Bush und Acapulco sogar eine musikalische Fusion beider Bands. An Konstanten gibt es nicht nur die beiden Protagonisten, auch die engen Kontakte zum schrägen amerikanischen Produzenten und Musiker Kramer, zum eifrigen Remixer Patrick Pulsinger und zur Künstlergruppe G.R.A.M., die jeweils die Plattenmotive beisteuerte, blieben bestehen.

Die erste Veröffentlichung von "Spring and the Land" kam 2009 als gleichnamige Vinyl-EP mit drei Songs auf den Markt. Das Plattencover zeigt ein schwarzweißes G.R.A.M.-Bild aus Tibet. „Nachdem wir ja einen countryesken Balladen-Rock-Folk spielen und doch keine Amerikaner sind, passt das tibetische Cowboy-Foto perfekt", freut sich Bush. Generell verkaufen die beiden interessanterweise mehr Vinyl-Exemplare als CDs, insbesondere bei den Konzerten greifen Liebhaber nach wie vor gerne zu den schwarzen Scheiben. Nur die Radiosender, die haben so ihre Probleme mit dem klassischen Tonträger, weshalb 2010 dann doch die CD „outside my window" erschien.

Das mediale Lob war breitflächig, so schrieb Martin Gasser in der Kronenzeitung: „Eine kleine künstlerische Sensation ist das Album ‚Outside my Window' des Duos "Spring and the Land". Nicht weil die elf Songs munteren und kantigen Folk-Pop, schwermütige akustische Balladen und psychedelische Elemente originell zusammen denken, sondern, weil diese exzellente Musik tatsächlich aus Graz stammt." Dem ist nichts mehr hinzuzufügen - außer die Vorfreude auf die nächsten Schritte von "Spring and the Land". Wie die geplante Fusion gelingt, wird man spätestens 2012 wissen.

Infos: Externe Verknüpfung www.springandtheland.com


Wolfgang Kühnelt, April 2011

Das Musiker-Duo "Spring and the Land"  © K. Knaller
Das Musiker-Duo "Spring and the Land"
© K. Knaller