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Maschinentüftler und Lichtzeichner (*)

Über die kinetischen Lichtobjekte des Max Frey

Es sind Momente, in denen man von etwas fasziniert ist. Wenn eine Idee geboren wird, die einem keine Ruhe lässt. Eine Fragestellung, die zum Experimentieren anregt, an der man grübeln muss. Und herumprobieren. Die Idee provoziert allerhand, mündet in Versuchen und Überlegungen, konkretisiert sich. Ein Prozess, der seine Zeit braucht.
Max Freys Ideen werden zu Maschinen. Maschinen als Kunstwerke, als Werkzeuge der Kunstproduktion. Denn das Bild, das entsteht, ist dynamisch, es erscheint vor dem Betrachter, es verschwimmt vor der Trägheit seines Auges erst zu dem, was es zu sehen gibt: Licht und Bewegung sind Max Freys Malmittel. Strom sorgt für die Intensität, die Struktur, die sich aus dem vom Künstler programmierten Ein und Aus ergibt.
Es sind Rotoren, die unser Sehvermögen überlisten und kleine Lichtpunkte über die Bewegung zu spektakulären Lichtspuren im Raum werden lassen, gesteuert über ebenfalls rotierende, geätzte Programmscheiben, die die Farbmischungen und Dauer des Aufleuchtens steuern. Die Leuchtmittel werden auf Fahrradfelgen oder Aluminiumscheiben montiert. Und hat sich das Auge erst auf die rotierenden Lichter eingestellt, entstehen fantastische Bilder, die ihre eigene Dynamik entwickeln.

Beim Basteln bleibt alles sichtbar. Max Frey hat bei Brigitte Kowanz Bildhauerei studiert, bereits während des Studiums wurde die Arbeit mit Licht vorrangig. Keine Physik, keine technische Ausbildung finden sich in seinem Lebenslauf. Als Kind hat er in der freien Waldorfschule in Graz zur Freude am Experiment gefunden. Ein wirklicher Techniker würde wohl nie zu solch visuell aufwendigen Lösungen kommen. Es ist schließlich nicht der effizienteste Ansatz, der in Richtung Kunst führt, sondern der ästhetisch interessanteste. Max Frey ist ein Bastler, er kombiniert die Teile so, dass sie ein Bild ergeben. Ihre Umständlichkeit, ihre Komplexität, die Bezüge, die im Optischen aufgemacht werden, hauchen ihr weit mehr Leben ein als einer vergleichbaren logischen Konstruktion. Das Aussehen der Einzelteile ist daher sehr wichtig, die Kabel und ihre Farben werden gewissenhaft ausgesucht, die Komponenten arrangiert, um ein stimmiges Bild zu erhalten - auch im ausgeschalteten Zustand. Zu poetischen Kompositionen - Einzelstücken, die Kunst-"Stücke" produzieren. Auch wenn es natürlich bereits unterschiedliche Modelle von Max Freys „Rotoren" gibt. Ähnlich der Typenbezeichnung eines Elektrogerätes wird der rotierende Durchmesser als Unterscheidungsmerkmal einfach hintangestellt.

Durch die Luft schweben. Technisch aufwendige Vorgänge werden oft mit simplen Spielereien kombiniert. Für seine Ausstellung im Studio der Neuen Galerie im Vorjahr hat Max Frey ein Jahr an den Maschinen getüftelt. „Floating Bubbles" nennt sich ein Konstrukt, das unzählige Computerlüfter zu einem scheinbar im Raum schwebenden Teppich zusammenschließt - eine Maschine produziert dazu Seifenblasen, die von diesen Lüftern in Schwebe und Bewegung gehalten werden, sich zu einer schillernden Wolke zusammenschließen, bis sie schließlich zerplatzen. Auch mit Gasballons hat Max Frey experimentiert, sie über Gewichte mit der gleichen Dichte wie die umgebende Luft schwerelos werden lassen - bis dass eine Wärmequelle sie langsam durch den Raum treibt.

Über springende kleine Bälle zu komplexen Zusammenhängen. Physikalische Phänomene untersucht auch die Arbeit „ping pong fountain" - eine Art Brunnen, der wenig wasserfest aus Karton gefertigt ist. Er hat auch kein sprudelndes Wasser zu transportieren, vielmehr schießt seine Fontäne Tischtennisbälle in die Höhe und pumpt sie wie in einem realen Brunnen-Kreislauf immer wieder durch. Ihr „Dahinplätschern" erzeugt eine Geräuschkulisse aus rauschenden, aufschlagenden Bällen. Maschinenlärm sozusagen.
Wenn die Ideen und Konstruktionen Max Freys eine lange Vorlaufzeit erfordern, spielt am Ende doch der Ausstellungsraum seine Rolle: Etwa wenn Rampe oder Stiegenlauf zum Fluss werden, durch den er seine Tischtennisbälle lenkt. Und plötzlich hat alles seinen Sinn. Einem Wasserfall gleich hopsen die Bälle dann die Stufen hinunter, um wieder zur „Quelle" zurücktransportiert zu werden, zeichnen gepunktete Bilder auf den bespielten Oberflächen, bestimmt einzig von der Zufälligkeit ihres Auftreffens. Ihr Strom reißt nicht ab, wirft die kleinen Bälle zu Hunderten hin und her - viele simple Teilchen und ein spielerischer Zugang, der Lust zum Beobachten macht.

Lichträume, -seile und -projektionen in Rotation. Die Serie „Lichtraum" besteht aus rotierenden Zylindern, die rundum mit Neonröhren bestückt werden. Und wiederum das Auge überlisten, wenn sich über die Drehbewegung Mischungen und Überlagerungen der einzelnen Farbfelder produzieren und sich vor dem Betrachter Räume aus farbigem Licht auftun. Oder es sind mehrere Meter lange „Lichtseile", die, über einen Motor in Bewegung gehalten, durch den Raum tanzen und leuchtende Objekte heraufzaubern. Für „Rotating Color Slides" wird ein rotierender Spiegelkubus von vier Projektoren mit Dias bespielt, die das gesamte Farbspektrum durchlaufen. An den Wänden bewirken sie Farbmischungen, die über die durchlaufenden Dias die Lichtstimmung langsam verändern. Im Moment arbeitet Max Frey an einer Serie von Lampenobjekten, deren grundlegende Funktionen er quasi umwidmet: wenn die dazugehörigen Schirme sich erst über einen rotierenden Lichtkörper aufspannen und eine von innen nach außen strahlende Glühbirne quasi überflüssig werden lassen, weil sie selbst Lichtquelle sind.

Technische Materialien haben ihre eigene Ästhetik, die in den Einzelteilen oft ziemlich banal daherkommt. Unter der Hand eines Künstlers vermögen aber auch sie aufzublühen und in ungeahnten Farben zu leuchten. Und es erwacht eine Art kindliche Freude an den maschinell erreichten Vorgängen: an schwebenden Seifenblasen und Luftballons, an der nie enden wollenden, luftig springenden Ballflut und den sich zu magischen Bildern aufschraubenden Lichtern.

 

Eva Pichler, November 2009


MAX FREY

wurde 1976 in Graz geboren;
1993-1997 Ortweinschule, Graz,
Abteilung Bildhauerei; 1999 Hochschule für angewandte Kunst, Wien, Prof. Kowanz; 2005 Diplom für Transmediale Kunst mit Auszeichnung; 2007 Praktikum Studio Jeppe Hein, Berlin; 2008 Kunstförderungspreis der Stadt Graz. Ausstellungen (Auswahl): 2009 „Lichtzeichnung und kinetische Objekte", Galerie Münsterland, Emsdetten; 2009 Max Frey - „rotor d/220 and floating bubbles", Vera Cortès, Art Agency, Lissabon; 2009 „Don't follow me, I am lost too", Gastausstellung des Centre d'Art Neuchatel, Substitut, Berlin; 2008 Galerie Krobath Wimmer, Wien; 2008 Neue Galerie am Landesmuseum Joanneum, Studio, Graz; 2008 „Open Sky, Räume jenseits ihrer Praxis", regionale 08, Schloss Kalsdorf, Ilz; 2007 Parrotta Contemporary Art, Berlin; 2007 „Gott. Geld. Kunst. Kapital" - WERK STADT KÜCHE Artneuland, Berlin; 2006 „Visum et Repertum", Stella Art Foundation, Moskau; 2006 Europäisches Forum Alpbach, künstlerischer Beitrag zum Forschungsprojekt; 2006 „Faktum", Flakturm, Wien; 2005 Betonsalon Museumsquartier, Wien MAK Stiegenhaus, Wien; 2004 Tiroler Künstlerschaft, Innsbruck. Lebt und arbeitet in Wien und Berlin.

Kontakt:
Externe Verknüpfung www.maxfrey.net  


Im Jahr 2009 arbeitete Max Frey als Assistent von Brigitte Kowanz in der Klasse für Transmediale Kunst an der Universität für Angewandte Kunst. 2010 beteiligte er sich an an den Ausstellungen „FIAT LUX" im Museo de Arte Contemporáneo Gas Natural Unión Fenosa, Coruña (Spanien), an „wahrheitnehmen", Kunstraum NEXT ANDRÄ, Graz, und an „WANTED-Found", Galerie Kon-temporär, Graz.

Werner Schandor, März 2011