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Der Jackson Pollock und die gute Kraft

Manfred Urls Malerei ist Bild gewordene Musik

Manfred Url © Martin Wanko.
Manfred Url
© Martin Wanko.

„Der Sinn der Kunst ist es, die Welt zu einem besseren Ort zu machen", heißt es in der Malschule des österreichischen Malers Masu. Und ein Pub ist ein Ort, in dem Menschen zusammenzukommen, um in einer besseren Welt zu leben. Beides hat ziemlich viel mit Manfred Url zu tun, dem Grazer Maler, der immer auf der Suche nach neuen Energien, leuchtende Bilder malt.

Angefangen hat alles vor einigen Jahren, am Anfang des neuen Jahrtausends. Da hat der Maler Manfred Url von seinem Grazer Atelier aus zwei Bilder von der weltberühmten Temple Bar in Dublin gemalt, und die dann rüber nach Irland in die Bar geschickt. Zurück kamen zwei gut dotierte Schecks und eine Gratulation zu den gelungenen Bildern. Aber das war kein Zufallstreffer, der Künstler porträtierte viele weitere Pubs, verkaufte weitere Bilder, die eines verbindet: Sie sind mit einer ganz eigenen Leuchtkraft ausgestattet, einem positiven Strich, farbenfroh und zugleich schwungvoll. „Wie ein junger Jackson Pollock" - zu diesem Zitat ließ sich das US-Magazin „The Zephyr" im Jahre 2007 bei einer Ausstellung in Galesburg im Bundesstaat Illinois hinreißen. Nicht zu Unrecht, denn auch bei Url zerfließen die Farben wie bei Pollack, und so erlebt die Farbenpracht eine erfrischende Renaissance.

„Mein Grundgerüst der Kunst ist die PanArt-Malerei. In der PanArt denkt man nicht viel nach, wohin ein Bild gehen soll, bevor man zu malen beginnt. Man lässt sich von den Schwingungen leiten, die einen umgeben." Eine Wolke ist erst eine Wolke, wenn sie auf dem Bild entsteht, sozusagen. Wichtig ist zuallererst jedoch das Grundieren der Bilder, denn was im ersten Moment nach reiner Inspiration ausschaut, unterliegt festgelegten Farbkombinationen. Es gibt zum Beispiel den gelb-blau-roten Rhythmus, auch skandinavischer Rhythmus genannt, den gelb-orange-rot-schwarz-grauen Rhythmus, der unter PanArt-Künstlern als der goldene oder der venezianische Rhythmus bekannt ist. Diese Rhythmen verwendet man zum Grundieren. Danach wählt der Künstler das Motiv, das auf einem Bild entstehen soll: Ein Pub in Irland oder doch eine mittelalterliche Gasse in Graz?

Eines haben alle Url-Bilder gemeinsam: Sie werden unter dem Einfluss von Musik gemalt. „Die Schwingungen für meine Malerei gehen von der Musik aus. Das war bei mir schon immer so." Dementsprechend ist es auch nicht verwunderlich, dass beim Besuch im Atelier des Künstlers eine Schallplatte auf dem Plattenteller liegt: „Songs for Drella", Feingeistiges von Lou Read und John Cale. Musik, die Url berührt. Live in Pubs malt er besonders gerne, in Irland, zu Sessions. Wo Stimmung ist und positive Energie. So entsteht Aufbauendes. „Nur mit dem Herzen siehst du richtig", zitiert der Maler auf seiner Homepage Antoine de Saint-Exupéry.

Urls große Leidenschaft sind Live-Sessions, Performances, mit dem griechischen Komponisten Alexis Porfiriadis. „Alexis hat Bilder von mir gesehen und hat spontan gefragt, ob ich mit ihm auftreten will. Und ich habe mich dazu bereiterklärt." Klangbilder nennen sie ihre live im öffentlichen Raum stattfindenden Projekte. Porfiriadis spielt am Klavier und Synthesizer, und Url nimmt die Schwingungen auf und malt leuchtende Bilder. „LampenBilder" nennt er sie. Erhellende Kunst für Zuhause. Die treibende Kraft in den Performances ist wiederum die Musik. „Mal donnert und kracht es, mal ist die Musik ruhig, aber nie belanglos." Das musikalische Stimmungsbild hängt vom Publikum ab, wie es drauf ist. Die Zuseher sind die Zelle aller Energien, von der sich Alexis Porfiriadis speisen lässt. Auch mit den Klangbildern konnte Url reüssieren: In Griechenland verkauften sie die Bilder gleich nach der Performance an die Zuschauer, in Belgrad hängt ein Bild immerhin in der österreichischen Botschaft, und für heuer haben sie ein Performance in der Ukraine geplant. Bei all dem verliert Manfred Url nicht die Erdung. „Das Handwerk ist Basis für alles, das Fundament vom Gebäude. Die Kunst ist das Fenster, die Aussicht, dort wo man gerne reinschaut."


Kurzbiographie:
MANFRED URL, geb. Graz 1967, freischaffender Künstler. Absolvent der Kunstgewerbeschule Graz. Klasse für Graphik und Malerei unter der Leitung von Prof. Richard Winkler, Prof. Edmund Walcher, Herms Fritz und Richard Frankenberger.
Maler im Familienbetrieb seines Vaters, Otto Url. Freskoausbildung und Restaurierung beim Akademischen Maler Prof. Josef Fastl. Diverse Schulungen bei Masu in der PanArt-Technik.
Mitwirkung bei verschiedenen Innen- und Außendesignprojekten in Österreich, Irland, Griechenland, Bulgarien, USA. Klangbilder mit Alexis Porfiriadis.

Martin G. Wanko, Februar 2011