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Der Conférencier im Musiker mit dem Musiker im Intendanten

Der Saxophonist, Komponist und Intendant Siegmar Brecher

Wäre er nicht Musiker geworden, er hätte wohl einen ebenso guten Conférencier oder Moderator abgegeben. Immerhin weiß Siegmar Brecher nicht nur seine eigenen Konzerte, sondern auch jene der Jazzwerkstatt Graz mit der Eloquenz des geeichten Jazzmusikers, mit kollegialem korrekten Informationsgehalt und stets auch mit einem heiteren Wort auf den Lippen dem Publikum schmackhaft zu machen. Anzusagen gibt es genug.

Der gebürtige Grazer, der leider auch schon mindestens ein Bein in Wien hat, ist als Gründungsmitglied der Jazzwerkstatt Graz zweifellos die treibende Kraft des rührigen Festivals, eines sogenannten Produktionsfestivals, das in der kurzen Zeit seines Bestehens schon zur Trademark einer visionären jungen Jazzszene im Land geworden ist. „Es ist kein großes Geheimnis, dass das in den letzten Jahren so etwas wie mein privates Steckenpferd geworden ist", gesteht Brecher, der den Mastermind - kollegial korrekt wie er eben ist (s.o.) - partout nicht herauskehren will. In der Tat hat er sich für die Entscheidungsfindungen im juvenilen Gremium stets um ein möglichst großes Team bemüht, wohl auch, um die „nächste Generation mit an Bord zu haben", erklärt uns der Mann mit der hellen Stirn, selbst erst gerademal 32 Jahre alt geworden. Aber einer muss ja auch nach außen hin den Intendanten geben, oder zumindest den Pressesprecher, woher wüssten wir denn sonst das alles?

Womit wir aber noch immer nicht beim Musiker sind. Denn Sigi, wie ihn seine Vertrauten und der Biograf zu rufen pflegen, ist Mitbegründer und zu nicht näher eruierbaren Prozentanteilen auch Co-Leader der Konzertreihe Fat Tuesday, die bereits im Jahr 2005 erstmals urkundlich erwähnt wurde und deren Wiege auf der so genannten Ebene3 des Grazer Schauspielhauses stand. Und die wiederum in einem inhaltlich kausalen Zusammenhang zur Jazzwerkstatt steht. Offenbar alles von langer Hand eines Visionärs geplant. Der Name Siegmar Brecher ist also untrennbar mit Fat Tuedays und der Jazzwerkstatt Graz verbunden - oder umgekehrt. Kein Wunder also, wenn Porträts über Siegmar Brecher erst über Umwegen zum Musiker führen. Sein Credo einer zeitgenössischen, frischen wie jungen Musik gilt auch für diese, mit Bedacht auf Club-Atmosphäre geführte Reihe, die vor zwei Jahren vom dritten in den ersten Stock und von den angestammten Dienstagen auf Donnerstage übersiedelte. Also von der Ebene3 ins Orpheum Extra, und Faschingsdienstag ist seit damals regelmäßig an Donnerstagen.

„Vielfalt vor stilistischer Enklave", hat uns Siegmar Brecher weiland ins Notizbuch diktiert, und es gibt bis heute keine Indizien, dass er das nicht auch für seine eigene Musik gemeint haben muss. Womit wir jetzt endlich beim Musiker, aber nicht am Anfang sind. Denn bevor Jung-Siegmar die Musik, also den Jazz, erkiest hat, ließ sich der von Architektur Begeisterte in Graz noch an der Fachschule für Hochbau ausbilden und stand danach sogar in Diensten eines Architekturbüros. In seiner Musik hört man das nicht. So ist der heutige versierte Holzbläser, den man in der Regel am Altsaxophon und der Bassklarinette, selten am Tenor und der Flöte zu Gehör bekommt, ein bisschen ein Spätberufener. Jazzsaxophon hat er an der Grazer Kunstuniversität bei Karlheinz Miklin, aber auch bei Heinrich von Kalnein und Gerald Preinfalk studiert, später noch bei Klaus Dickbauer in Wien und ganz später noch beim berühmten Dick Oatts, einem seiner großen Vorbilder, an der Manhattan School of Music, eine der ersten Adressen in New York.

Musikalisch ist Siegmar Brecher heute in drei Hauptprojekten zugange. Allen voran, wie es sich für einen kreativen Jazzmusiker gehört, seine eigene Band, ein Quintett namens We Love Fat Tuesdays (was sonst?), mit dem er im Vorjahr auch seine erste eigene, gleichnamige CD beim Indie-Label Sessionwork Records lanciert hat. Die jüngste Baustelle des gelernten Hochbautechnikers ist das von ihm geleitete Musikerkollektiv Jazzwerkstatt Graz posers.com, ein Ensemble von zehn, elf Musikern aus der Jazzwerkstatt, das mit eigenen innovativen Kompositionen einem Grundprinzip nämlicher Jazzwerkstatt huldigt.

Und schließlich seine dienstälteste Arbeit als Sideman am Saxophon von Mosaik, dem landauf, landab bekannten Quintett der Sängerin Angela Tröndle. Eine buchstäbliche Herzensangelegenheit, mit der Sigi auch am weitesten gereist ist. Allerdings konnten wir zwischen Mexiko, Portugal, Kasachstan, Kirgistan und zuletzt China noch kein Gastspiel als Hochzeitsreise identifizieren.

Siegmar Brecher im Internet: Externe Verknüpfung www.myspace.com/siegmarbrecher

 

Otmar Klammer , Dezember 2010

Siegmar Brecher © Peter Purgar
Siegmar Brecher
© Peter Purgar