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Die Ankunft der Endrina Rosales Group

Eine lateinamerikanische Klangfusion abseits von „Buena Vista“

Endrina Rosales  © Paul Jiménez
Endrina Rosales
© Paul Jiménez

Lateinamerikanische Rhythmen mit afrikanischen Einschlägen, ein Schuss Pop und eine gehörige Portion Jazz sind die Zutaten der Band rund um die Flötistin, Sängerin und Liedtexterin Endrina Rosales. Die aus Venezuela stammende, in der Nähe von Leoben lebende Künstlerin singt in den neun Songs ihrer Debüt-CD „Tu Llegada" (Deine Ankunft) auf Spanisch über Freundschaft, persönliche Erfahrungen und das Geschenk des Lebens.

Vorgestellt wurde das Album Mitte Oktober 2010 in Graz. Zur Seite steht Rosales eine siebenköpfige Band mit erstklassigen Musikern aus Venezuela und Österreich, allen voran ihr Ehemann Werner Radzik (p), der auch für die Kompositionen und Arrangements der Songs verantwortlich zeichnet. Harald Tanschek (dr), Patrick Zambonin (b), Ismael Barrios (perc.), Juan Carlos Rosales (Cello) sowie Mariano Leal und Meily Gonzales (Background) vervollständigen die musikalisch höchst polyglotte Band. „Der Markt für World Music in Österreich ist klein", meint Endrina Rosales im Interview. „Unsere Musik ist noch dazu schwer einzuordnen: für Jazz zu poppig, für Salsa zu jazzig und für Pop zu lateinamerikanisch." - Was allerdings niemanden davon abhalten sollte, sich in die österreichisch-venezolanische Klangfusion einzuhören, noch dazu, wo die Songs mit durchwegs eingängigen Melodien punkten. „In Österreich wird die CD musikalisch sehr gelobt," erzählt die Sängerin, „in Venezuela hören die Leute mehr auf die Texte." In ihrer Heimat werde vor allem das Titelstück „Tu Llegada" über die bevorstehende Geburt eines Kindes im Radio gespielt, erzählt Rosales. Eine Tour durch Venezuela ist für Sommer 2011 geplant - allerdings nicht mit der Endrina Rosales Group, sondern als Flötistin mit dem venezolanischen National Orquesta Simon Bolivar.

Endrina Rosales kommt von der klassischen Musik und tritt mit dem Grazer Flötentrio und als Solo-Flötistin mit Orchester auf, lässt ihrer Musikalität aber ebenfalls sehr gerne im Kontext des Jazz freien Lauf, wobei sie hier auch als Sängerin in Erscheinung tritt. Sie, die aus einer musikliebenden Familie stammt, lernte schon als Kind Flöte und spielte als Jugendliche im Jugendnationalorchester Venezuelas. 1994 kam sie zum Musikstudium nach Österreich - und blieb hier. Dass lateinamerikanische Musik in Österreich und Deutschland fast ausschließlich auf „Buena Vista Social Club" verkürzt wird, findet die Musikerin schade, denn: „Die lateinamerikanische Musik ist so groß und hat viel mehr zu bieten als die kubanische Tradition." Bei ihren eigenen Konzerten überrascht Rosales beispielsweise mit stark afrikanisch angehauchten Rhythmen, wie sie in der Volksmusik Venezuelas Eingang gefunden haben. Aber auch mit einem Walzer, denn wenn Österreich und das ferne Venezuela etwas gemeinsam haben, dann ist es die Liebe zur Musik im Allgemeinen und zum Walzer im Besonderen. Geplant ist auch, ins Konzertprogramm der Endrina Rosales Group lateinamerikanische Arrangements von Austropop-Songs aufzunehmen.

Und was kann man sich als Österreicher von der venezolanischen Kultur abschauen? - „Die Lebensfreude, egal unter welchen Umständen man lebt", antwortet Rosales. Sie persönlich sehe keinen Anlass zu jammern, solange sie gesund sei; im Gegenteil: Sie betrachte das Leben jeden Tag als Geschenk, über das man sich freuen könne. - Was mit den lebensfrohen Songs der Endrina Rosales Group im Ohr auch ziemlich leicht fällt, wie man anmerken muss.

Kontakt:{url:1:' www.myspace.com/endrinarr '}


Werner Schandor, November 2010