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Das Holz, aus dem amerikanische Träume sind

Die Künstlerin Maruša Sagadin verarbeitet Einflüsse und Materialien aus Los Angeles.

2004 hat sie ihr Architekturdiplom an der TU Graz mit dem ersten Preis vergoldet - vor Kurzem konnte sie die Akademie der Bildenden Künste in Wien ebenso aussichtsreich beenden: Von 33 europäischen Kunstakademien wurden junge KünstlerInnen zur Ausstellung ihrer Diplomprojekte nach Tschechien gebeten. Und unter der Handvoll Auszeichnungen findet sich auch die Rauminstallation Sagadins. „Erfolg auf der ganzen Linie" wäre an dieser Stelle wohl eine geeignete Anpreisungsformel - die üblicherweise gern in genau jenen Zusammenhängen verwendet wird, die Maruša Sagadin in ihren Arbeiten gekonnt umzudeuten weiß.

"Everybody says Hi to Hans because Hans says Hi to Everybody" nennt sich ihr aktueller Objekt- und Collagenfundus, entstanden im Rahmen des begehrten MAK Schindler-Stipendiums in Los Angeles. Ausgehend von einer Videoarbeit treffen hier Schablonenschriften auf längst verinnerlichte Phrasenschablonen. Die Struktur gängiger Slogans, die durch die Werbeindustrie unablässig in den öffentlichen Raum ausgespuckt werden, wird dabei unbeschwert dekonstruiert. Und die entstehenden absurden, weil sinnentleerten Formeln einem so genannten „Sign Spinner" in die Hand gegeben, der damit seine gewohnte Aufmerksamkeitsakrobatik an frequentierten Straßenkreuzungen vollführt. „Man bekommt als Künstlerin einen Blick dafür, was einen interessiert", so Maruša Sagadin. In ihrem Fall ist das immer genau dort, wo es aneckt. Wo die Dinge nicht ganz rund laufen.

Städtische Knotenpunkte, soziale Verflechtungen, Architektur und Raumplanung vis-à-vis mit unterschiedlichen Mentalitäten und damit einhergehenden Problemen. Überzogene Versprechungen und tatsächliche Renditen gewinnorientierter Immobilienprojekte bringen Sagadins Arbeiten ins Rollen. Oder vielmehr ihren Zeichenstift, der grafisch und erzählerisch umsetzt, was später zu Schaukästen, Modellen, Litfasssäulen-Torsos oder Schriftskulpturen weiterverarbeitet wird. Gebäude treffen auf Benutzer. Wuchernde Wettcafés hinterfragen ihre postmodern angehauchten Fassaden. Und Stadtbewohner werden systematisch angelockt, wenn sie gemeinsam mit Michael Hieslmair die als „Public Animals" definierten Stadttauben füttert. Oder es entspinnt sich aus dem Dualismus der Wiener Stadtentwicklung zwischen Businesskarussell und Freizeitparadies, zwischen Platte und Donauinsel gar ein Rap Song. Die „Platte" dazu läuft auf einem als Architekturvision entwickelten Möbel. Und Künstlerin fragt Stararchitekt: „Wo ist unser Niveau Herr Perrault?"

Vieles entwickelt sich auch aus dem handwerklichen Prozess im Experimentierfeld der Werkstatt. Oder auf der Straße selbst - im Dialog mit den Menschen, die mit der Künstlerin zum Beispiel ihre Chefs karikieren. Die Baustelle direkt am Haus in L.A. führte nicht nur zur simplen, amerikanischen Art zu bauen, sondern auch zum Kontakt mit mexikanischen Bauarbeitern und ihren Holzabfällen. Ein Werkstoff, den Sagadin für sich „importiert" hat. Ebenso wie die pastelligen Farben rund um formale Assoziationen mit Möbeln und Turngeräten. Ihre Referenzen beziehen sie aus dem alltäglichen, menschlichen Gebrauch: Ob benutzbarer Einrichtungsgegenstand oder Kunstwerk - die Grenzen verschwimmen, verschmelzen mit den Textfragmenten zu raumfüllenden Stories aus dem „Plywood Forest". Was reimt sich auf Rest? fragt später eines ihrer Werke. „west" oder „best" würde sicherlich passen. Ebenso wie das Bekenntnis zu einer fortwährend neu zu erfindenden Form der Collage. Und der postmodernen Vielfalt der Perspektiven.



Eva Pichler, Oktober 2010

Kontakt:  Externe Verknüpfung http://marusa.sagadin.at/

„Everybody says Hi to Hans because Hans says Hi to everybody“, Video 5:41 min, 2010 © Maruša Sagadin
„Everybody says Hi to Hans because Hans says Hi to everybody“, Video 5:41 min, 2010
© Maruša Sagadin
„Everybody says Hi to Hans because Hans says Hi to everybody“Installationsansicht, Grazer Kunstverein, 2010Installationsansicht, Grazer Kunstverein, 2010 © Maruša Sagadin
„Everybody says Hi to Hans because Hans says Hi to everybody“Installationsansicht, Grazer Kunstverein, 2010Installationsansicht, Grazer Kunstverein, 2010
© Maruša Sagadin
Postmodernity today, 2008 © Maruša Sagadin
Postmodernity today, 2008
© Maruša Sagadin
The Rate Of Return, Installation im öffentlichen Raum, Urban Festival Zagreb 2008, in Zusammenarbeit mit Michael Hieslmair © Maruša Sagadin
The Rate Of Return, Installation im öffentlichen Raum, Urban Festival Zagreb 2008, in Zusammenarbeit mit Michael Hieslmair
© Maruša Sagadin
„Everybody says Hi to Hans because Hans says Hi to everybody“ Installationsansicht, Grazer Kunstverein, 2010 © Maruša Sagadin
„Everybody says Hi to Hans because Hans says Hi to everybody“ Installationsansicht, Grazer Kunstverein, 2010
© Maruša Sagadin
Wo ist unser Niveau Herr Perrault? Installation in der Copa Cagrana, Wien 2008/2009 © Maruša Sagadin
Wo ist unser Niveau Herr Perrault? Installation in der Copa Cagrana, Wien 2008/2009
© Maruša Sagadin
rùhgu gugu oder ruggùh gugu, Installation, Graz, 2003 in Zusammenarbeit mit Michael Hieslmair © Maruša Sagadin
rùhgu gugu oder ruggùh gugu, Installation, Graz, 2003 in Zusammenarbeit mit Michael Hieslmair
© Maruša Sagadin
Meine Chefs – Wir Chefs, steirischer herbst 2009, < rotor > © Maruša Sagadin
Meine Chefs – Wir Chefs, steirischer herbst 2009, < rotor >
© Maruša Sagadin
FREIZEITPARADIES, Zeichnung auf Papier  © Maruša Sagadin
FREIZEITPARADIES, Zeichnung auf Papier
© Maruša Sagadin