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Der Prozess ist das Werk - Transdisziplinäres Arbeiten im Rahmen von Medienkunst und Klangkunst

Der Grazer Medienkünstler Fränk Zimmer arbeitet an der Schnittstelle von Soziologie und Kunst

Fränk Zimmer bei der Arbeit © Elli Scambor
Fränk Zimmer bei der Arbeit
© Elli Scambor

Der in Luxemburg geborene Fränk Zimmer ist über die Rockmusik zur Kunst gekommen. Beim Musizieren in Bands fand er zunehmend Gefallen an einem immer freieren und offeneren Umgang mit dem musikalischen Material und landete schließlich bei der freien Improvisation. Für den gelernten Kommunikationstechniker, der sich nach seinem Umzug nach Graz 1994 musikwissenschaftlich weiterbildete, spielt die Auseinandersetzung mit Musik nach wie vor eine große Rolle. „Wichtig sind mir John Cage als Vordenker, Derek Bailey als Meister der ,non-idiomatic' Improvisation sowie John Zorn und die Musik, die er auf seinem Label Tzadik veröffentlicht." Der Musik ist er auch ganz praktisch eng verbunden, Zimmer gehört seit Jahren zum Produktionsteam des „musikprotokolls".

Beim Spielen in diversen freien Improgruppen hat ihn der Einsatz von elektronischem Instrumentarium und Computern immer stärker fasziniert, schließlich begann Zimmer für steirische Medienkünstler Interfaces und technische Lösungen zu kreieren, bevor er 2004 sein erstes eigenes Medienkunstprojekt begann. „Zentral bei der Medienkunst ist für mich nicht die Technik. Sie ist zwar mehr als Mittel zum Zweck, sie bringt Beschränkungen und Vorgaben ein. Aber die Idee, etwas aus einem Konzept mit klar definieren Spielregeln entstehen zu lassen, steht im Mittelpunkt. Ein L'art pour l'art, ein bloßes Erfreuen an bunten Lichtern und interessanten Klängen hat noch nichts mit Medienkunst zu tun."

In seinem jüngsten Projekt „information/storage.refresh", thematisiert Zimmer die Langzeitarchivierung von Informationen, indem er das Speichermedium Magnetband mit dem extrem kurzlebigen Informationsgehalt des World Wide Web in einer Installation in Bezug setzt. Solche Arbeiten sieht er nicht als Werk, sondern als Prozess. „Ähnlich wie bei zu entwickelter Software wächst und verändert sich eine Arbeit in verschiedenen, upgedateten Versionen." Folglich zeigen die von ihm Installationen keine „fertigen Werke", sondern sind Momentaufnahmen.

Die öffentlichen Präsentationen solcher Prozesse hat er schätzen gelernt: „Ich habe die Erfahrung gemacht, dass in Graz oder auch anderswo im direkten Kontakt mit BesucherInnen durch das Face-to-Face-Präsentieren, sich die Scheu vor komplexen ,Theorie- und Technikmonstren' einfach auflöst." Dabei arbeitet Zimmer in einem Bereich, der in mancherlei Hinsicht deutlich benachteiligt ist. Selbstausbeutung ist hier Teil der Kunstpraxis. Das Feilen an technischen Lösungen ist zeitaufwendig, das Material teuer. Dazu kommt, dass es für Medienkunst nicht wirklich einen Markt gibt und auch Museen und Galerien vor der Präsentation solcher Installationen oft zurückscheuen. Zimmer: „Vielleicht spielt da auch die Angst vor dem hohen Wartungsaufwand eine Rolle. Dabei wäre es spannend, gerade solche partizipative und multimediale Kunst in Museen zu zeigen."

Angesichts solcher Verhältnisse ist es ein Glück, dass es in der Steiermark Medienkunst-Institutionen gibt, die auf hohem Niveau arbeiten, und bei denen Zimmer Arbeiten realisieren kann: die ESC in Graz, die Reihe „Liquid Music" in Judenburg und in letzter Zeit verstärkt das Institut für Kunst im öffentlichen Raum des Landes Steiermark sind für ihn wichtige Anlaufstellen, um seinen Entwicklungen eine notwendige öffentliche Plattform zu geben.

Für das Institut für Kunst im öffentlichen Raum arbeitet Zimmer gemeinsam mit der Soziologin Elli Scambor auch an einem Projekt, in dem ein ganz zentraler Aspekt seines künstlerischen Tuns erneut zum Tragen kommt: der Verschränkung von Medienkunst mit angewandter Sozialforschung. Im interdisziplinären Projekt „social networks/graz" untersuchen die beiden die sozialen Netze der GrazerInnen anhand mehrerer hundert Interviews. Die daraus resultierende Installation im öffentlichen Raum macht die im Alltag unsichtbaren, aber dennoch vorhandenen sozialen Netzwerke als „Raum" wahrnehmbar.

Martin Gasser, 2010

Fränk Zimmer Installation © Elli Scambor
Fränk Zimmer Installation
© Elli Scambor