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Ein bisschen wie Riechsalz

Die Elektronik-Artistin Clara Moto hat das Handgepäck voller digitaler Liebesbriefe für Nachtschwärmer.

Clara Moto  © priv.
Clara Moto
© priv.

Zukunftsaussichten? Tendenziell rosig, denn Clara Moto ist gefragt: Die Grazer DJane tourt quer durch Europa, hat Auftritte in Frankreich, Spanien und Österreich und wirkt dabei ein bisschen wie Riechsalz auf die in den letzten Jahren etwas eingeschlafene heimische Elektronikszene. Und das, obwohl sie auf ihrem Debütalbum „Polyamour" keineswegs die musikalische Marktschreierin gibt, sondern stets ruhig agiert. Aber das Ganze von Anfang an:

Bereits in jungen Jahren bekam Clara Prettenhofer, deren Elternhaus stark musikalisch geprägt war, das nötige Rüstzeug mit auf den Weg: Sie lernte früh, Klavier zu spielen, entwickelte aber auch eine ausgeprägte Liebe zu synthetisch erzeugten Melodien. Fortan wummerten zumeist elektronische Beats, etwa jene der Wiener Downtempo- und Dub-Rädelsführer Kruder & Dorfmeister, aus ihren Lautsprechern. Unter dem Pseudonym Clara Moto begann sie schließlich, Platten aufzulegen und an eigenen Stücken zu basteln, die in Grazer Partyhochburgen wie der Postgarage erstmals 2004 einem breiteren Publikum in die Ohren gelegt wurden. Und das zeigte sich durchaus angetan von den verspielten Klängen, die Clara Moto den Turntables entlockt.

Zusammen mit Freunden gründete sie wenig später das eigene kleine Electronics-Label „Houseverbot". Den vermutlich größten Karriereschub verpasste ihr aber die Teilnahme an der „Red Bull Music Academy" 2006, die der Grazerin erstmals hochprofessionelle Möglichkeiten zur Soundkreation bot und ihr die Tür für internationale Auftritte weit aufstieß. So etwa für das Sónar Festival in Barcelona (wo sie auch einige Zeit lebte, bevor sie nach Berlin zog), oder das Jazz-Festival in Montreux, im Zuge dessen sich die Weichen für Clara Motos Zukunft stellen sollten: Dort nämlich lernte sie den französischen Techno-Produzenten Agoria kennen, der das musikalische Potenzial der Grazerin erkannte und sie kurzerhand bei seinem neu gegründeten Label „InFiné" unter Vertrag nahm. 2007 und 2008 erschienen schließlich die beiden EPs „Glove Affair" und „Silently", die die Kritiker vom Fleck weg überzeugten und die Erwartungshaltung für das in Arbeit befindliche erste Album von Clara Moto sowohl beim Publikum als auch bei den Produzenten gehörig in die Höhe schraubten.

Dieses erschien schließlich Anfang 2010 und wurde den Vorschusslorbeeren gerecht: „Polyamour" ist eine ideenreiche Liebeserklärung an elektronische Beats, eine Mischung aus Lounge und House mit einigen Anleihen aus dem Synthie-Pop. Die Tracks sind minimalistisch und melodiös zugleich, ein wenig verträumt, aber nie langweilig. Musik für Nachtschwärmer eben. Eine von Clara Motos treuesten musikalischen Mitstreiterinnen ist die ebenfalls aus Graz stammende Mimu alias Miriam Mone, die gleich mehreren Stücken (etwa „Deer and Fox" oder dem wunderbaren „Silently") ihre helle Stimme verlieh und außerdem die Artworks für die EPs und das aktuelle Album erschuf.

Auch nach dem Albumrelease hält die Grazerin weder Beine noch Finger still: Ihre ausgiebige, sommerliche Tour führt Clara Moto auf zahlreiche europäische Tummelplätze für Anbeter von synthetischen Klängen aller Art. Unter anderem sorgt sie auf Electronics-Festivals in Paris, Amiens oder Moskau für die musikalische Untermalung der wenigen ruhigen Momente. Das Publikum wird es ihr vermutlich danken, schließlich brauchen auch die dortigen Nachtschwärmer ein bisschen digitale Liebe.

Externe Verknüpfung http://www.myspace.com/claramoto

                                                                                                               Carl-Michael Drack, Juni 2010