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Künstler, Veranstalter, Netzwerker

Der Grazer Pianist Christian Schmidt erarbeitet sich seine Chancen

Christan Schmidt © Pilo
Christan Schmidt
© Pilo
Der Lebenslauf des Grazer Pianisten Christan Schmidt deckt sich in vielerlei Hinsicht mit dem klassischen Bildungs- und Arbeitsweg, der in diesem Genre seit vielen Jahrzehnten gang und gäbe ist. Als kleines Kind hat er mit dem Musizieren begonnen, über Stipendien und langjährige Studien führte der für Talente vorgezeichnete Weg bis aufs Konzertpodium. Sein Klavierstudium absolvierte Schmidt in Graz, Wien und Freiburg im Breisgau. Am Wegesrand standen dabei renommierte Pädagogen und Klavierstars wie Rudolf Kehrer, Elza Kolodin und Markus Schirmer. Christian Schmidt wusste bald, dass er nie einen anderen Beruf ergreifen wollte als den des Musikers. Das nennt man gemeinhin Berufung. Durch Meisterkurse unter anderem bei den Pianisten Paul Badura-Skoda, Paul Gulda und dem Konzertmeister des Contentus Musicus Wien, Erich Höbarth, entwickelte er seine künstlerische Persönlichkeit und verfeinerte seine musikalische Heransgehensweise.
Konzertiert hat Schmidt im In- und Ausland, bis nach Japan und Amerika führte ihn seine Profession. Als ein Zentrum seiner Arbeit hat sich Schmidt jedoch seine Heimatstadt Graz gewählt. 2008 wurde er hier vom Pianisten zum Konzertveranstalter. Er etablierte eine kleine Kammermusikreihe im Grazer Congress, die er „musikabende" benannte. Wer die heutige Konzert-Szenerie (und zwar nicht nur die in Graz) kennt, weiß, dass solches nicht ohne ein Quäntchen Wagemut und viel Energie geht. Eine kleine Reihe, die weder Teil eines medial und politisch gepushten Festivals ist, noch im Rahmen einer alteingesessenen Institution realisiert wird, ist heutzutage wahrlich kein „Selbstläufer". Vor allem, wo doch die Besucherzahlen im Genre Kammermusik, etwa im Vergleich zu Orchesterkonzerten, weitaus weniger stabil sind. Der Neo-Konzertveranstalter glaubte und glaubt bis heute, in der dritten Saison der „musikabende", an die Wichtigkeit und Notwendigkeit dieses oft nur für einen kleinen Kennerkreis attraktiven Genres. Am vierten Saisonprogramm wird gerade gefeilt. Im Zentrum stehen nicht nur die Klassiker bis Brahms, sondern auch Musik der Moderne. Die „musikabende" stellen bewusst die diversen kleinen Besetzungen mit Klavierbeteiligung, vom Solo bis zum Quintett vor. Dafür versammelte Schmidt Freunde und Weggefährten, Kollegen und einstige Lehrer. Das gemeinsame Erarbeiten der Stücke sei dabei immer ein Kompromiss. Allerdings einer mit Grenzen: „Es wäre schrecklich, gegen den eigenen Geschmack spielen zu müssen." Bisweilen ruht Schmidts Funktion als Pianist, und dann wird er zum reinen Veranstalter - nicht bei jedem Konzert seiner Reihe steht der Musiker mit auf der Bühne. Im Mai 2010 wird ein langgehegter Wunsch Realität. Seit langem arbeitete Schmidt daran, seine Konzertabende auch in Nachbarländer zu exportieren. Mit einem Abend in Banja Luka/Bosnien und Herzegowina erfüllt sich dieser Wunsch.

Die aufgeräumte persönliche Art des technisch versierten, gefühlvollen Interpreten hängt vielleicht mit der branchenüblichen Disziplin zusammen. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählt Schmidt stilistisch so unterschiedliche pianistische Charaktere wie Artur Rubinstein, Vladimir Horowitz und Friedrich Gulda. Vor einiger Zeit erschloss sich Schmidt eine neue kleine Welt, eine halbe Autostunde von der Stadt entfernt: In Großstübing hat der Musiker eine Zweitheimat und Sommerfrische gefunden. Naturnah und handwerklich geschäftig wird da der Sommer genossen, musikalisch gearbeitet wird dort aber auch. Die „musikalische Alm" wird zum Probenraum weit weg von der lärmenden Stadt. Viele „Klassiker" wissen solche sommerliche Refugien bekanntlich außerordentlich zu schätzen. Die Ernte dieser idyllischen, aber produktiven Sommerfrische fährt man dann im Herbst ein, wenn die Konzerte wieder losgehen.

Martin Gasser

Stand: Mai 2010