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Reiselustig

Die Grazer Punkformation „Red Lights Flash“ hat ihr Universalrezept gegen den Stillstand gefunden.

 „Red Lights Flash" © RLF
„Red Lights Flash"
© RLF
Auf 13 Jahre Bandgeschichte können Christian Friedl, Constantin Pammer, Werner Bauernfeind und Christoph Riebenbauer mittlerweile zurückblicken. Eine Zeit, die das Quartett von der Grazer Mondscheingasse quer durch Europa und wieder zurück führte - und das mehrmals. Drei Jahre vor der Gründung der Band hatte sich Kurt Cobain, Frontmann von „Nirvana", das Leben genommen und hinterließ eine frustrierte, unzufriedene, als „Generation X" in die Musikgeschichte eingegangene Jugendkultur. Wie für viele andere war Cobains Tod auch für die vier Grazer eine Initialzündung, die in weiterer Folge 1997 zur Formierung von „Red Lights Flash" führte. Der Bandname stammt von einem Foto eines alten amerikanischen Schulbusses, dessen Heck die Warnung „Stop When Red Lights Flash" zierte. Das stieß auf so viel Gefallen, dass nicht nur der Name gefunden war, sondern auch das 1999 erschienene Debütalbum mit „Stop, When..." betitelt wurde.

Auch wenn die Musiker allesamt Anfang- bis Mittdreißiger sind, können sie mit Fug und Recht als alte Hasen bezeichnet werden. Die vier Jungs kennen das Business zwischen unten, oben und allem, was dazwischen liegt. Vom verrauchten Kellerauftritt hat man sich im Laufe der Jahre bis auf die großen Bühnen Europas hinaufgespielt. Über 700 Konzerte haben „RLF" bereits im Rucksack. England, Spanien, Portugal, Deutschland - überall ist man irgendwann bereits gewesen. Die Liste der Tourpartner liest sich wie das „who is who" der internationalen Punk- und Hardcoreszene: Zu den musikalischen Mitstreitern zählen „Rise Against", „Alexis On Fire" und „Anti Flag", zu deren hauseigenem Label „A-F Records" das Grazer Quartett anno 2004 wechselte.

Dass die Lust am Spielen und Auftreten auch nach all den Jahren noch nicht verloren gegangen ist, ist einem stetigen Verlangen nach Selbstverbesserung geschuldet. Wenn der Sound abgenutzt erscheint, wird konsequent daran gefeilt. Einfach, aber effektiv: „Wir machen schon so lange zusammen Musik, da muss man sich als Band einfach weiterentwickeln, um die Motivation aufrecht zu erhalten. Immer auf dem gleichen Level zu spielen, ist uninteressant", erklärt Gitarrist Chris Riebenbauer. Und ergänzt: „Außerdem muss jedes Bandmitglied sein Ego herunterschrauben, sonst kommt es irgendwann zum Clash."

Als voranschreitende musikalische Evolution kann demnach auch die Diskographie von „RLF" verstanden werden. War das Debütalbum noch eine reinrassige Punk-Scheibe, durften auf „And Time Goes By" unter anderem Jazz und Noise ihre Einflüsse ausüben. Der hauseigene Sound wurde endgültig mit dem dritten Studioalbum „Free" entdeckt und auf dem 2008 erschienenen „For Your Safety" zur Perfektion getrieben: Das Album schwankt mühelos zwischen schnellen, aggressiven Riffs, energetischem Takt und teils gar an Pop gemahnenden, ruhigeren Melodien, ohne dabei jemals auf seine tiefe Verwurzelung im Punk zu vergessen. Eine Tradition, der die Rotlichter auch beim Texten stets treu geblieben sind. Sozialkritisch, laut anprangernd, Missstände aufzeigend - Punk's Not Dead, wie es scheint.

Auch 2010 geht die Reise weiter und führt die Grazer unter anderem nach Bielefeld und aufs Nova Rock-Festival. Das Web 2.0 hilft dabei, zu organisieren und erleichtert es, den Kontakt mit anderen Bands und den Fans gleichermaßen aufrecht zu erhalten. Die neuen Distributionswege für Musik seien allerdings Fluch und Segen zugleich: „Drei Prozent der MySpace-Bands sind originell, der Rest klingt wie ein Abziehbild von jemand anderem", sagt Riebenbauer. Ein Dasein, das man getrost anderen überlässt: „Das größte Kompliment, das wir bekommen können, ist doch, wenn jemand sagt: ,Hey, das klingt ja fast wie Red Lights Flash'."

Carl-Michael Drack, März 2010

Am 19. Oktober 2010 gab die Band auf ihrem MySpace-Profil ihre Trennung bekannt (Quelle: Wikipedia).