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Kunst im Crashtest

Über die bewegenden Einzelbildgrafiken von Alex Partl

 "Crash Test" © Alex Partl
"Crash Test"
© Alex Partl
„Animationsfilm, Bewegung, Schnitt, Einzelbilder als Weg, Film zu begreifen". Das sind die Parameter, die der aus dem steirischen Ort Wies stammende Alexander Partl nennt, wenn man ihn nach seiner aktuellen Arbeit fragt. Erlernt hat er ab 1995 in der Grazer Ortweinschule den Beruf des Grafikers, hat den Beruf auch zwei Jahre lang in Graz ausgeübt. Doch das Korsett der Gebrauchsgrafik wurde ihm bald zu eng, er absolvierte ein Studium an der Kunsthochschule für Medien in Köln, das er im Juli 2009 erfolgreich abgeschlossen hat.

Seit seinem Studium beschäftigt sich Partl mit Trick- und Animationsfilmen. Dem „Herunterbrechen" des bewegten Bildes auf 25 Einzelbilder pro Sekunde gilt sein künstlerisches Interesse ebenso, wie der Synthese der 25 Einzelbilder zu einer sich bewegenden Filmsekunde. Diese Screenshots bzw. Film-Stills werden durch seine Arbeit zu Paraphrasen der Film- und Unterhaltungsindustrie, von Video- und Computerspielen, die durch die Analyse von Bewegung und Bewegungsabläufen zu Hilfsmitteln werden, die Welt der bewegten Bilder zu begreifen. „Wie funktionieren eigentlich Spiele und Filme, was bedeutet Schnitt, wie baut man eine Dramaturgie des Erzählens in Bildern auf?" - Diesen Fragen gilt das dezidierte Interesse des Medienkünstlers, der seit dem Abschluss seines Studiums in Berlin lebt. Die Beschäftigung mit der Animation erweitert seinen Zugang zum Bildnerischen um Zeit und Raum, um das Filmische und das Dreidimensionale. Ausgangspunkt bleibt dabei jedoch stets die Zeichnung, egal, ob sie analog oder digital entstanden ist. In seinem Arbeitsprozess findet er dabei verschiedene Formate und auch Zwischenformate. Zeichnungen entstehen für sich selbst, sind aber auch Vorlagen für andere Arbeiten, für Animationen und Projektionsfolien für Installationen, Drahtfiguren erweitern die Linienzeichnungen um eine räumliche Dimension, wie auch Zeichnungen auf plastischen Objekten.

Was Partl aktuell beschäftigt, ist die Herstellung von ständig modifizierbaren, offenen Bibliotheken, wie er es nennt. Sein Ziel ist es, in seiner Arbeit jederzeit auf diese Sammlungen etwa von Bewegungsabläufen zurückgreifen zu können und so aus seinem eigenen Formen- und Bewegungsfundus schöpfen zu können. Diese Entschlüsselung von Malerei einerseits, von Film- und Videosequenzen andererseits wird nicht nur als „motion capture" umgesetzt, sondern auch als dreidimensionale Installationen, als „Raumsuchbilder" und als Drahtobjekte.

In Graz hat Alexander Partl zuletzt 2009 Arbeiten in der ESC im LABOR gezeigt. In „Bild der Stadt" zeichnet der schwarze Vektorpfad eine Welt, die ihre Zeit- und Raumeinheit verloren hat. Stattdessen definiert der Pfad sie ständig neu. Er zeichnet entlang der Informationen, die unentwegt in alle Richtungen ausströmen und macht sie damit sichtbar. Getriebe dieser Stadt sind die Infrastrukturen, die Medien, Maschinen und Architekturen. Räumliche Zeichnungen, Rotoskopien, 3D-Animationen, Zeichentrick, Grafik und Fotografie fächern die Komplexität der Stadt auf, eine Manipulation verschiedenartiger Bildvorlagen. Außerdem zu sehen waren „Wir sind die Satelliten", ein Styroporplanet, auf dem Overheadprojektionen auf Drahtfiguren treffen und eine gebrochene Welt auf die Oberfläche zeichnen und ein 10-minütiger Animationsfilm, die Abschlussarbeit Partls an der KHM.

Aktuell gestaltet der Künstler 2010 ein Jahr lang künstlerisch das Foyer des „Theaters im Kürbis" in seinem Heimatort Wies, wo er die in seinen bisherigen Arbeiten vorgegebenen Entwicklungslinien fortsetzen und erweitern wird.

Wolfgang Pollanz, Februar 2010