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Viersaitig vielseitig

Ernst Weissensteiner © Bubu Dujmic
Ernst Weissensteiner
© Bubu Dujmic
Bassist Ernst Weissensteiner ist in einem der besten Symphonieorchester Europas tätig. Das ist ihm aber nicht genug.

Am Anfang stand die Volksmusik. Der Vater Ernst Weissensteiners war Mitglied in einem Volksmusiktrio. „Das hat regelmäßig bei uns daheim geprobt. Ich war als Kind von diesen Klängen fasziniert und bin es bis heute", sagt Weissensteiner, der ganz nach typisch häuslich-familiärem Muster mit dem Musizieren begann. Nach der Blockflöte kamen Klavier und Gitarre dazu, mit den Geschwistern spielte er selbst Volksmusik, wobei er auch die ersten Versuche mit dem Kontrabass unternahm. Am Brucknerkonservatorium in Linz vertiefte er die Auseinandersetzung mit dem Instrument. „Ich hatte das Glück, durch den Lehrer Adelhart Roidinger dort gleich in Berührung mit Jazz zu kommen."

Ein zweiter prägender Lehrer war Ludwig Streicher, sein Professor an der Wiener Musikuniversität. Der Unterricht bei Streicher bedeutete die perfekte Vorbereitung auf eine Musikerkarriere - in mehrfacher Hinsicht. Das übliche Vorspiel für eine Stelle in einem Orchester stellt bekanntlich eine starke nervliche Belastung dar. Weissensteiner: „Durch meinen Unterricht bei Streicher war ich gewappnet. Sein Motto lautete: ,Jede Stunde bei mir muss härter sein als ein Probespiel'. Außerdem war ich durch die sportlichen Aktivitäten meiner Jugend gewohnt, mit Herausforderungen umzugehen. Sport und Musik sind hinsichtlich der mentalen Anforderung recht ähnlich." 1986 schaffte Weissensteiner den Sprung zu den Wiener Symphonikern, wo er 1990 zum Solobassisten wurde. „Diese Arbeit macht mir nach mehr als 20 Jahren immer noch viel Freude. Es erfüllt mich mit Dankbarkeit, in einem so großartigen Klangkörper Orchesterwerke zu spielen. Auf gut organisierte Tourneen zu gehen, fertige Konzertpläne für die nächsten Jahre zu haben, ist in Zeiten wie diesen eine wunderbare Sache."

Diese Sicherheit hilft ihm auch bei der Planung seiner zahlreichen musikalischen „Nebenbeschäftigungen". Neben einer Lehrtägigkeit am Konservatorium ist es ihm „wichtig, Musik in den verschiedensten Facetten zu spielen." Der Jazz nimmt dabei einen wichtigen Platz ein. Seit 2009 spielt er bei einer der ersten Jazz-Bigbands der Welt, dem „Vienna Art Orchestra". Mit Jazz-Kapazundern wie Peter Herbert und Georg Breinschmied ist er Mitglied bei „Bassinstict", einer Formation von sechs Bassisten. Weissensteiner nennt die Gruppe eine „kontrabassistische Experimentierküche". Bald wird die bereits dritte „Bassinstinct"-CD erschienen.

Der Wechsel zwischen Klassik und Jazz ist für Weissensteiner, der sich selbst hinsichtlich seiner Ausbildung und seines Arbeitsplatzes doch als klassischen Bassisten versteht, allgemein nicht mehr so ungewöhnlich. „Es gibt inzwischen viele Musiker, die eine klassische Ausbildung absolviert haben und sich auch mit Improvisation auseinandersetzen. Ich selbst habe derzeit zwei Studenten, die sowohl in der Klassik als auch in der Jazzabteilung inskribiert sind." Die beiden Stile hätten auch viel gemeinsam: „Tonvorstellung, handwerkliche Beherrschung, Timing und harmonisches Wissen sind für alle wichtig, vielleicht jedoch in unterschiedlicher Gewichtung."

Ein bisschen „klassischer" geht die Nebenbeschäftigung beim Projekt „Bass&oon" vonstatten, welches vom Solofagottisten der Symphoniker, Richard Galler, ins Leben gerufen wurde. Dort spielt Weissensteiner gemeinsam mit drei Fagottisten. Naturgemäß besteht das Repertoire vor allem aus Arrangements, aber man konnte schon Komponisten für den ungewöhnlichen Klang dieses Ensembles begeistern. So kam mittlerweile einiges an Originalliteratur dazu. Mit vier Kollegen der Wiener Symphoniker unterhält Weissensteiner zudem das Streichquintett „Dolby`s Around", das lustvoll zwischen Pop, Jazz, Folk und Avantgarde wandelt. Man sieht: Via vier Saiten lassen sich elegant musikalische Weitwanderungen unternehmen.

Externe Verknüpfung www.bassinstinct.at
Externe Verknüpfung www.bassoon.at
Externe Verknüpfung www.dolbysaround.com


Martin Gasser, Jänner 2010