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Schreiben als Weg

Holger Schober © priv.
Holger Schober
© priv.
Holger Schober erobert still und heimlich die Theaterbühnen und schüttelt neue Stücke aus dem Ärmel, wie andere Leute warme Semmeln backen.

Holger Schober ist ein Tausendsassa und wohl auch ein Workaholic, obwohl er sich das nicht anmerken lässt. Im steirischen Fohnsdorf aufgewachsen, schreibt der 1976 Geborene schon früh eigene Stücke und spielt in Schulaufführungen mit. Der Gang ans Reinhardt-Seminar nach Wien erscheint als logischer Schritt. Nach dem Abschluss gehen seine Jahrgangskollegen an die großen Häuser. Für den Obersteirer erscheint das jedoch wenig reizvoll. Lieber gründet er seine eigene Theatergruppe und bleibt unabhängig. „Kinetis" heißt seine erste Gruppe in Wien. Nach fünf Jahren geht sie 2005 gemeinsam mit urtheater, L.U.S.Theater und der Gruppe 80 im neugegründeten Theater an der Gumpendorfer Straße (TAG) auf, in dessen Leitungsteam Schober bis 2007 bleibt. In seiner Zeit mit „Kinetis" wird er auch für den „Nestroy" in der Kategorie „Bester Nachwuchsschauspieler" nominiert, schreibt weiter eigene Stücke, dreht erste Fernsehproduktionen, knüpft so Kontakte, die später noch wichtig werden.

2005 kommt es zu einem einschneidenden Wendepunkt in Schobers Leben. Er zieht sich eine schlimme Kehlkopfentzündung zu und kann ein halbes Jahr gar nicht mehr auf der Bühne stehen. Die Entzündung verheilte zwar wieder, die große Bühnenkarriere hat sich allerdings erübrigt, denn die Stimme hat bleibend an Tragfähigkeit verloren. Schober muss sich etwas Neues ausdenken. „Im Nachhinein betrachtet war das ein großer Glücksfall. Als Schauspieler hat mir immer etwas gefehlt. Befehlsempfänger zu sein, hat mir nie Spaß gemacht." Schober kann der Erkrankung als Weichenstellung für sein Leben durchaus etwas Positives abgewinnen. Statt den Kopf in den Sand zu stecken, beginnt er verstärkt zu schreiben. Spielt aber noch im TV und Film, unter anderem in der oscargekrönten Produktion „Die Fälscher". Neben ersten Drehbüchern für den ORF entsteht das Stück „Hikikomori", das am Theater in der Gumpendorfer Straße uraufgeführt wird. Inspiriert von einem japanischen Begriff, der Jugendliche beschreibt, die sich zu Hause einsperren und mit der Außenwelt nur noch über Chatrooms in Kontakt treten, trifft es den Nerv der Zeit. Es meldet sich der Verlag Autorenagentur, der ein Stück zum Thema virtuelle Alternativexistenzen sucht. Der Verlag ist begeistert, schickt es für den Deutschen Jugendtheaterpreis 2006 ein, und es wird prompt nominiert.

Von da an geht es Schlag auf Schlag. Das Thalia Theater in Hamburg nimmt das Stück ins Programm. Die Inszenierung wird für den deutschen Theaterpreis „Faust" nominiert. Seither gibt es 16 Produktionen von „Hikokomori", unter anderem auch am Deutschen Theater Berlin, wo es bereits im Abendspielplan läuft. 2009 hat Schober zehn Stückaufträge erfüllt, sieben Stücke werden in der Saison 09/10 uraufgeführt. Zuletzt am Theater Heilbronn „heimat.com", das die Lebensgeschichte von Arigona Zogaj zum Thema hat, sich aber insbesondere mit den sensationslüsternen Medien und ihren Mechanismen beschäftigt.

Als wäre das nicht genug, hat Schober Oktober 2009 auch die Leitung des „u/hof" getauften „Theaters für junge Menschen" des Landestheaters in Linz übernommen. Er ist zufrieden: „So, wie sich das Leben entwickelt hat, bin ich sehr glücklich." Dass Schober als verheirateter Vater von zwei Kindern bei dem gefüllten Terminkalender auch Familienmensch ist, hat natürlich auch berufliche Folgen. Gerade entsteht das erste Kinderbuch: „Die Geschichte vom äußerst gefräßigen Krokodil" - „Die muss ich meinem Sohn Yannick vor dem Schlafengehen am öftesten erzählen."


                                                                                                             Gregor Schenker, Jänner 2010