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Der abgewendete Blick

Produktdesignerin in spe Stefanie Hödlmoser reüssiert als Malerin

„Menschen sind das einzige, was mich in der Malerei interessiert", antwortet Stefanie Hödlmoser auf die Frage, warum sie ausschließlich Porträts zeichnet und malt. „Menschen sind komplexer als jeder andere Bildgegenstand, in den Porträts kann man viel mehr an Stimmungen einfangen als bei anderen Motiven." - Worüber Hödlmosers mit Kuli, Tuschestiften oder Aquarellfarben angefertigten, luftigen Grafiken beredtes Zeugnis geben. Erste künstlerische Erfolge verzeichnete die Absolventin der HBLA für künstlerische Gestaltung in Linz, als sie 2006 einen Preis beim Wettbewerb „young at art" gewann und eines ihrer Bilder im oberösterreichischen Landesmuseum ausgestellt war.

Vielleicht hat ihr Faible, Menschen zu zeichnen und malen, auch damit zu tun, dass Stefanie Hödlmoser seit 2006 in Graz Industrial Design studiert und dabei die Gestaltung von Produkten erlernt: Materie, zwar auch komplex, aber gewiss nicht so emotional veranlagt, wie Menschen nun mal sind. Produktdesign wird voraussichtlich das Standbein der jungen Kreativen sein. Ihr im Studium vorgeschriebenes Praxissemester verbrachte sie in London in einer Agentur für Produktdesign. Wer „Stefanie Hödlmoser" in Google eingibt, stößt auf Entwürfe von Wodkagläsern und Fun-Hundeschlitten, und in ihrer anstehenden Diplomarbeit an der FH Joanneum wird sie sich mit „Professional electronic tools for creativity" beschäftigen. Ihre Zukunft sieht Stefanie Hödlmoser im Produktdesign und vermutlich im Ausland. „Ich bin niemand, der sehr schnell Heimweh bekommt."

Bildende Kunst und speziell die Malerei hingegen ist das Spielbein der Welserin, die 2009 im Rahmen des RONDO-Atelierprogrammes der steirischen Kulturservicegesellschaft ein Atelier zur Verfügung gestellt bekam, wodurch ihr ohnehin schon dichter FH-Stundenplan eine weitere Verdichtung erfuhr. 2009 vertiefte sie ihre bereits in der Schule begonnene Porträt-Malerei und schuf eine Reihe von Grafiken und Gemälden schuf, die im November 2009 im Atelier RONDO in Graz zu sehen waren.

Fotos und Schnappschüsse aus dem Freundeskreis dienen Stefanie Hödlmoser als Vorlagen für ihre Bilder. Darin rücken jene Leute ins Zentrum der Aufmerksamkeit, die sich auf den Fotovorlagen im Hintergrund befinden - daher der oft abgewendete, manchmal auch fast entrückte Blick der Porträtierten, die sich beim Fotografiertwerden anscheinend nicht bewusst waren, dass sie mit aufs Bild gerutscht sind. Obwohl die Künstlerin mit Ölfarben arbeitet, wirken die Porträts leicht, wie mit Pastellfarben gemalt; mit sicherem Strich gezogene helle Schattierungen verleihen den Gemälden Plastizität und den Gesichtern Persönlichkeit. Die Farbfeldmalerei von Mark Rothko (1903-1970) und das Augenblicksmoment in den Pop-Porträts der Amerikanerin Elizabeth Peyton (*1965) nennt Stefanie Hödlmoser als Inspirationsquellen für ihre Werke.

Anders als Peyton, die berühmte Persönlichkeiten porträtiert, sind es bei Stefanie Hödlmoser vor allem Freunde und Bekannte der Künstlerin, die sich auf den Bildern wiederfinden, denn: „Ich kann die Menschen besser porträtieren, wenn ich sie gut kenne." Weil aber selten etwas so trügt wie der Glaube, man kenne einen Menschen, ist es für Hödlmoser wichtig, in ihren Bildern Freiräume zu lassen: offene, monochrome Farbflächen, mit denen die Künstlerin der Offenheit der Bildinterpretation Ausdruck verleiht. 

                                                                                                           Werner Schandor, Jänner 2010 

Homepage:

S. Hödlmoser - Porträt © priv.
S. Hödlmoser - Porträt
© priv.
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