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Zwischen Aussee und Übersee…

Karo Strassmayer

Karo Strassmayer © Helge Strauss.
Karo Strassmayer
© Helge Strauss.
Wenigstens als Kind lief ihre musikalische Karriere noch halbwegs steirisch-geordnet ab. Was im Ausseerland bedeutet, Blockflöte zu erlernen und ordentliche Volksmusik zu spielen. Mit 17 Jahren aber, da schenkte ihr eine Freundin eine Musikkassette, auf der eine gänzlich andere Musik gespielt wurde. Nämlich modaler Jazz.

„Kind of Blue" von Miles Davis sollte in ihr laut Eigendefinition „die Leidenschaft zur Musik erwecken, die mich bis heute nicht mehr losgelassen hat". Überhaupt war es vom ersten Hören besagter Kassette klar, dass Karolina Strassmayer, 1971 in Bad Mitterndorf geboren, in ihrem Leben keine konventionellen Wege mehr einschlagen wird. Schnell wurde die Flöte liegen gelassen und im Sinne von „Cannonball" Adderley das Saxophon als neue Stimme auserwählt. „Vieles war Glück oder Bestimmung in meinem Leben. So brachte mir ein Klarinettist, der im Orchester meines Opas spielte, die ersten Schritte am Saxophon bei und später hatte ich einen fantastischen Lehrer, der mich ermunterte, genau da weiter zu machen", erzählt Strassmayer im charmanten Ausseerdialekt. Wobei sich der Dialekt, während Strassmayer erzählt, da und dort mit breitem Englisch vermischt. Strassmayer kam nach Graz, studierte hier auf Anraten von Karl-Heinz Miklin und verließ danach Österreich für ein geplantes Stipendienjahr nach New York.

Aus dem einen Jahr wurden 9 Jahre und sie tourte zuerst mit dem rein weiblichen „Diva-Orchester" quer durch die USA und bald folgten Tourneen mit eigenen Quartetts und Quintetts. Warum verließ sie eigentlich Österreich? „Ich verspürte immer schon so ein Ziehen in der Brust, weg zu gehen. Mein erstes Jazzstück war ein Ausseer Marsch und ich wusste damals schon, dass ich in die USA musste, in das Land, wo der Jazz eigentlich herkommt", so Strassmayer. Mit dem Saxophon hat sie sich nicht gerade das leichteste Instrument für eine Frau ausgesucht. „Denn", sagt sie mit einem Lächeln, „wenn mich Leute im Publikum dann gesehen haben, wie ich energetisch und expressiv gespielt habe, wurde ich ihnen unheimlich." Dabei ist für Strassmayer das Saxophon ein zwar vielleicht nicht unbedingt weibliches, bestimmt aber ein sinnliches, manchmal sogar erotisches Instrument.

Durch ihre ausdrucksvolle und prickelnde Spielweise schaffte sie es auch, eine Männerdomäne zu durchbrechen: sie ist die erste und bislang einzige Frau in der WDR-Big Band und spielte dort bereits mit Größen wie Joe Zawinul, Maceo Parker oder Joe Lovano. Wobei letzterer neben Wayne Shorter zu ihren persönlichen Vorbildern zählt. „Was mich an Lovano und Shorter fasziniert, ist die Authentizität und die Qualität, mit der sie seit Jahrzehnten ihre eigene Musik machen und dabei immer noch spannend bleiben", sagt eine Musikerin, die selbst in der Blüte ihrer Karriere steht und derzeit mit ihrem aktuellen Quartett „Klaro" samt der aktuellen CD „Adventures" erfolgreich durch USA und Europa tourt.

Denkt sie eigentlich noch an ihre Zeit in Österreich zurück? „Sicher und das sehr gerne. An der Musikhochschule in Graz (heutige KUG) hatte ich tolle Lehrer und die Zeit war fantastisch, ich konnte viele MusikerkollegInnen kennen lernen, mit einigen bin ich auch heute noch in Kontakt", sagt Strassmayer, wobei dies bei ihr überhaupt nicht nostalgisch klingt. Sie tritt auch noch sporadisch in Österreich auf, hat ihren Wohnsitz aber derzeit nach Köln verlegt. Wobei davon auszugehen ist, dass dies nicht ihre finale musikalische Station sein wird. Klaro, oder? 

                                                                                                      Christian Salentinig, Dezember 2009