Link zur Startseite

Florindas Traumbilder

Florindas Traumbilder

„In der Realität gibt es so viele Normen, Unfreiheiten und Regeln, nach denen man funktionieren muss, da liebe ich es, dass ich in der künstlerischen Arbeit tun und lassen kann, was ich gerade für angesagt finde; da gebe ich mich ganz meiner Phantasie hin", sagt Florinda Ke Sophie. Alle Träumer dieser Welt haben sich schon immer gerne in den Tiefen der Farbe Blau verloren, und so ist es wohl kein Zufall, dass die Malerin, Bildhauerin, Literatin und Lebenskünstlerin ihr Atelier bevorzugt in Häusern mit blauen Fassaden einrichtet. Und weil damals, als sie 2005 ihr erstes Atelier in Graz einrichtete, einige Anfragen von Künstlern kamen, ob sie in Florindas Raum ausstellen könnten, wurde aus der Malerin und Bildhauerin auch eine Galeristin. „Galerie Blaues Atelier" nennt sie ihr künstlerisches Refugium in der Grazer Schörgelgasse Nr. 8, das sie gemeinsam mit dem Bildhauer Johnny Fortmüller betreibt. In der Galerie Blaues Atelier präsentiert sie zum einen in monatlich wechselnden Ausstellungen die Werke anderer Künstler, zum anderen lässt sie dort ihrer Fantasie und ihren Projekten freien Lauf.

Blaue Drachen und ein schwarzer Würfel
Wer an den Auslagenscheiben der Galerie Blaues Atelier vorbeigeht, dem werden aktuell die verschiedenen Tonskulpturen von Lindwürmern und Drachen auffallen, die, teils noch unglasiert, teils - wie anders? - kobaltblau glasiert in den Regalen stehen und herausfordernd auf die Straße schauen. Einige der kompakten Fantasiewesen richten sich mit gefiederten Schwingen in die Höhe, andere kauern angriffsbereit am Boden. Seit einiger Zeit entsteht jede Woche ein neuer Ton-Drache im Atelier. „Die Realität ist so beinhart, dass ich mittlerweile ein Realitätshasser geworden bin", sagt Florinda Ke Sophie, „trotzdem sehe ich die Drachen nicht als Realitätsflucht, sondern als zweite Realität, die parallel existiert, und wo ein Ausgleich zur herkömmlichen Welt stattfindet", meint die Künstlerin. In den Drachen sieht sie Wildheit und Aggressionsbereitschaft versinnbildlicht, die man in der Wirklichkeit nicht ausleben könne. Es sei aber interessant, dass sich viele Leute von ihren Drachenarbeiten angesprochen fühlten.
Ein Drache spielt auch in Florindas zweiten aktuellen Projekt eine Rolle: Ein schwarzer, begehbarer Würfel von ca. 2 m Seitenlänge. Der Würfel besteht an den Seiten und an der Decke aus dunklen bis schwarzen Bildern; ein großer Planet im Universum ist auf einer der Leinwände zu sehen; der Körper eines sehr großen Tieres („der Planetenfresser") auf einer anderen; der Kopf eines Drachen schließlich auf jener Leinwand, die die Decke des Würfels bilden wird. Im Februar 2010 wird der „Schwarze Würfel" in der hauseigenen Galerie ausgestellt werden, im März 2010 wird der Schwarze Würfel dann im White Cube des Grazer Künstlerhauses zu erleben sein.

Transformationen
Die Arbeiten der Autodidaktin, die aus Rheinland-Pfalz stammt und über Umwege nach Spanien und Ungarn 2001 nach Graz kam, auf den Punkt zu bringen, fällt schwer, und das irritiert auch viele Betrachter ihrer Werke. Florinda Ke‘s Arbeiten passen in keine Schublade. Eine zweite Moderne? Oder doch eher naive Malerei? Fantasykunst? - Nichts davon, sondern künstlerischer Freiheitsdrang: „Nachdem ich ein Mensch bin, der sich schnell mit etwas fadisiert, ist es mir unheimlich wichtig, künstlerisch immer etwas Neues zu entwickeln; ich will mich auf nichts festlegen."
Und so ist der eigentlich rote Faden, der sich durch ihre Arbeiten zieht, die Transformation. Das spiegelt sich in gelegentlichen Übermalungen eigener Bilder wider, das zeigt sich aber auch in den Jahreszyklen der Künstlerin, die oft unter einem Generalthema stehen, das dann in Variationen durchkonjugiert wird. 2006 unterzog Florinda ausgewählte Gemälde alter Meister einer Neuinterpretation; 2007 folgte - ausgehend von einem Stierbild - das „Projekt Europa" mit 27 Abwandlungen von Picassos Lieblings-Tiermotiv; 2008 malte sie vor allem Panther, und 2009 nun die Drachen und der Schwarze Würfel. Wo die Reise demnächst hinführt, steht noch in den Sternen, aber die werden ja zurzeit von den Drachen gefressen ...

Aufmerksame Leser werden nun feststellen, dass Florinda Ke Sophie eingangs auch als Literatin bezeichnet wurde. Richtig: 2004 und 2007 erhielt sie für ihre Texte den Minna-Kautsky-Preis der Stadt Graz verliehen. Und vorwiegend unter ihrem bürgerlichen Namen Kerstin Eberhard, wovon noch das „Ke" in der Mitte ihres Künstlernamens erinnert, publiziert die Deutsche in Literaturzeitschriften und Anthologien. Aktuell hat sie eine längere Geschichte fertiggestellt, die sie noch illustrieren will, um danach einen Verlag dafür zu suchen. Es ist - konsequenterweise - eine Science-Fiction-Geschichte mit dem Titel „SF aus der schönsten Vorstadt von Wien" und spielt im Grazer Kunstmilieu rund um den „Friendly Alien".

 

Werner Schandor, November 2009 

Kontakt

 Florinda Ke Sophie im Internet:Externe Verknüpfung www.florinda.at
Galerie Blaues Atelier: Externe Verknüpfung www.galerie-blaues-atelier.at
Sarah mit der Pinselwolke © Florinda Ke Sophie
Sarah mit der Pinselwolke
© Florinda Ke Sophie
Florinda © Werner Schandor
Florinda
© Werner Schandor
Die Pantherin © Florinda Ke Sophie
Die Pantherin
© Florinda Ke Sophie
Dragonfight © Florinda Ke Sophie
Dragonfight
© Florinda Ke Sophie
Europa © Florinda Ke Sophie
Europa
© Florinda Ke Sophie