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Walter Köstenbauer Suchen ist schöner als finden

Suchen ist schöner als finden

Walter Köstenbauer © Walter Köstenbauer
Walter Köstenbauer
© Walter Köstenbauer

„Vordergründig betrachtet scheint auch er etabliert: Haus mit Garten, ein vom bekannten Architekten Ernst Giselbrecht entworfenes, beneidenswert großzügiges Atelier, eine langjährige Familiensituation. Dennoch, tief in seinem Innersten, hat der "Steppenwolf" überlebt.", beschrieb der Künstler Branko Lenart seinen Kollegen Walter Köstenbauer.

Nach Abschluss des Studiums bei Hollegha an der Akademie in Wien hat der aus Weiz stammende Künstler vier Jahre lang nicht gearbeitet. Danach arbeitet er eine Zeitlang hauptsächlich grafisch unter Verwendung des Cyklop-6B-Graphitstifts und entwickelt sich zum virtuosen Aktzeichner. Erst 1983 greift er wieder zur Farbe.

Walter Köstenbauers „Steinzeit" begann Mitte der Achtzigerjahre, als ihm ein Freund „Steinplätze" in der Mühlviertler Landschaft zeigte. Die damals entstandenen Bilder erinnern noch sehr an präzise gezeichnete, kolorierte Grafiken. Aber Köstenbauer „lernt" sein Sujet. „Suchen ist schöner als finden", wie er selbst sagt. In der Folge prägen Volumina-Formen nachhaltig seine Arbeiten. Am Ende kehrt er die Charakteristika des Steines um - dieser wird von innen heraus aufgebrochen und beginnt beinah, wie menschliches Fleisch zu bluten.

Ein Australienaufenthalt 1996 schlägt sich bedeutend im Werk Walter Köstenbauers nieder. Der Maler macht sich theoretisch und praktisch zum Experten. Seit dieser Reise beschäftigt er sich mit der Formensprache der Aborigines und variiert sie bis in die Abstraktion hinein. Nur der spezifisch warme Farbton bleibt und die Gewohnheit Köstenbauers, seine Bilder rückseitig und schräg zu signieren, um ein „Oben" und „Unten" des Bildes entsprechend der Aborigines-Tradition, nach der die Bilder aus der Vogelperspektive gedeutet werden, zu vermeiden.

Walter Köstenbauer schwört den Steinen aber keineswegs ab. Sie kehren wieder in seiner Werkserie kleiner Kästchen, in denen er unterschiedliche Objekte, darunter eben auch Steine, sorgfältig inszeniert. Eine Bestätigung dieser Arbeit ist die Einladung zur „9th International Biennial of Miniature Art" in der „Modern Gallery of the Cultural Centre" in Gornji Milanovic/Serbien 2008. Dabei sind elf weitere Österreicher wie z.B. Ch. Eisenberger, ILA, W. Kratner, M. Krusche, P. Maitz oder M. Wilfling.
Kunsthistorische Ironie zusammen mit dem Prinzip des Objet Trouvé findet sich ab 1995 auch in dem Langzeitprojekt „Errettung des Tafelbildes". Es handelt sich um überarbeitete Schautafeln, die ursprünglich im Biologieunterricht verwendet worden sind: Eisbären in neuer Gesellschaft eines winzigen Teddys oder Strauße vor einem „Van Gogh-Himmel". Mit einer anderen kunsthistorischen Persiflage, der Variation über die „ewige Problematik" der Magritte'schen Pfeifendarstellungen, gewinnt der Künstler 2006 den oststeirischen Skulpturen-Wettbewerb „Das Lachen in der Kunst".

Zwei große Projekte, „Camouflage - nur (nicht) auffallen" (seit 2001) und „ent.tarnung.mensch" (seit 2004), erweitern das Tafelbild hauptsächlich durch Verwendung von militärischen Tarnstoffen und Objekten. Es entstehen auch temporäre Rauminstallationen. Seit 2007 arbeitet Köstenbauer an seinen „Buenos Dias"; eine ironische Anspielung auf das Rohmaterial. Handelt es sich doch um Diapositive, die durch Schmelzen, Ätzen, Ritzen, Schaben, Färben usw. manipuliert und auf Fotoleinen gedruckt werden.

Mit seiner Ausstellung „Wie die Lemminge" in der Universitätsdruckerei Klampfer in St. Ruprecht im Rahmen des oststeirischen Kunstfestivals „pomale" setzt der Künstler Aktionen zur Aufklärung gesellschaftspolitischer Probleme.In der Podiumsdiskussion „Quote, quo vadis" geht es um den allgemeinen Quotendruck und seine Auswirkung auf die steirische Kunstszene und Kulturberichterstattung.

Andere Arbeiten des Künstlers sind großformatige, abstrakte Arbeiten in zarten, irisierenden Grün-, Grau-, Gelbtönen, deren rein malerische Qualität noch verstärkt wird durch die „raue" Oberflächenstruktur, die dem Lichteinfall entsprechend changiert. Es sind Bilder von einer stillen, privaten Intensität. 


                                                                            Bearbeitet von Veronika Winkler, Oktober 2009