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Tänzerin zwischen den Kontinenten

Christina Medina arbeitet ununterbrochen an ihren Ausdrucksmöglichkeiten

Christina Medina © privat
Christina Medina
© privat
„Wenn ich so klare Choreografien wie möglich zu entwerfen versuche, ist eine verfeinerte Tanzsprache für mich wichtig. Dabei versuche ich Bewegungen zu suchen und zu erfinden, die Einflüsse von Nordamerika, Europa und Asien aufweisen": Cristina Medina, Tänzerin und zusammen mit Partner Thomas Melde Begründerin von @tendance in Graz, arbeitet ununterbrochen an ihren Ausdrucksmöglichkeiten.

Den ungewöhnlichen Mix aus Tanzstilen verschiedener Kontinente ist nicht zuletzt auf die Biografie der eindringlichen Dunkelhaarigen zurückzuführen: Geboren auf den Philippinen, wuchs die Künstlerin im kanadischen Winnipeg auf, wo sie auch ihre Ballettausbildung absolvierte. Sie tanzte zehn Jahre in Compagnien wie „Ruth Cansfield Dance" und „Winnipeg's Contemporary Dancers Company" und war nebenbei bereits in der freien Szene tätig.

Ihre Vorliebe für zeitgenössischen Tanz hat begonnen, „als ich die ‚School of Contemporary Dancers' entdeckte, und zwar genau in der Stadt, in der ich lebte!" Dort eignete sie sich die Fähigkeiten an, „zu tanzen, zu choreografieren und zu unterrichten". Eine Knieverletzung drohte zwischendurch, die Karriere zu beenden, die Heilung dauerte über ein Jahr. Trotzdem wurde sie damals in bei den Winnipeg's Contemporary Dancers engagiert: „Sie gaben mir diese Chance, obwohl der Direktor nicht wusste, ob mein Knie das aushalten würde".

Es hielt, und Cristina tanze unbeirrbar weiter. 2002 kam sie zum ersten Mal nach Graz. Sie blieb immer öfter hier, obwohl sie nach wie vor auch in Kanada arbeitete: „Es fiel mir immer schwerer, von Graz wegzugehen, um einen Vertrag woanders zu erfüllen." Schließlich sah sie nur den Weg „entweder wegzugehen und die Karriere woanders fortzusetzen oder zu versuchen, hier professionell zu arbeiten." Sie entschied, hierzubleiben, sah aber keine Möglichkeit, irgendwo als zeitgenössische Tänzerin unterzukommen. Also entwickelte sie ihre eigenen Choreografien und versuchte, sich in der Tanzszene zu etablieren. Was ihr gelang: 2006 erhielt Medina für ihre Solochoreografie „am I am" den ersten Preis beim Solo-Tanz-Theater Festival in Stuttgart. Im selben Jahr entstand das abendfüllende Programm „Long Dis/Tanz" in Zusammenarbeit mit Catherine Guerin. 2007 stellte sie die Show „Elements" im Grazer Dom im Berg auf die Bühne, bei der 15 Tänzerinnen und Tänzer aus Graz, Deutschland und Kanada mitwirkten. Zu den jüngsten Arbeiten zählt „Aswang - choreolab" aus dem Jahr 2008. Anhand der philippinischen mythologischen Figur Aswang, die oft benutzt wird, um Unheil zu erklären, zeigt die Choreografie, wie sich in einer Gemeinschaft Gruppen bilden, die Personen ausschließen. Dabei geht der Tanzabend der Frage nach, ist nun die Gruppe der Aswang oder eher der Ausgeschlossene? Ihre neueste Arbeit ist ein „work in progress", ein Programm, das sich vorläufig „Solo for Anna Majder" nennt und von dem Ausschnitte bereits im Frühjahr im Kulturzentrum bei den Minoriten gezeigt wurden.

Die Tänzerin ist auch eine begeisterte Radfahrerin und versucht, mit Partner Thomas Melde so oft wie möglich Rad zu fahren, was ihr nicht immer gelingt. „Wir haben leider nicht so viel Gelegenheit dazu", meint die Tänzerin, die auch leidenschaftlich gern zum Essen ausgeht - vor allem, wenn es Sushi gibt.

 

Karin Zehetleitner, Mai 2009