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Männer kochen für Euch!

Das Männerkochkollektiv Cooks of Grind hat unterschiedliche Spezialitäten auf seinem Speiseplan.

Cooks of Grind  © Loibner Johannes, Klug Roman, Schloyer Alfred
Cooks of Grind
© Loibner Johannes, Klug Roman, Schloyer Alfred
Das kreisrunde Loch brennt, lodernd, feurig. Könnte auch das Logo für den Brand im St. Gotthard-Tunnel sein, aber Logos für eine Katastrophe sind eher selten. Oder ist es etwa doch eine stilisierte Kochhaube? Reklame für den exzentrischen Barbecue-Laden am Stadtrand von Tijuana, dort, wo auch ganz und gar nicht jugendfreie Donkey-Shows angeboten werden? Nichts von alledem. Vielmehr: das optische Erkennungszeichen für Cooks of Grind (CoG), diesem Männerkochverein, der sich mit „artifiziellen Kochevents" einen Namen gemacht hat und neuerdings auch für den Messias vom Lend, die schwarzweißen Kicker vom Jakominigürtel oder Alt&Junghippies in Nostalgielaune interessant ist. Wobei Fotomontagen, Bierduschen oder „Magical Rock'n'Roll Food" aufgetischt werden.

Cooks of Grind? Ein Kollektiv der bösen Buben. Elf an der Zahl, und wer sie kennt, weiß: Wirklich bös sind sie nicht. Aber sie haben schmutzige Gedanken, lausbübischen Witz, ein großes Herz für die Kunst, keine Furcht davor, das zusammenwachsen zu lassen, was eigentlich nicht zusammengehört; viel Freude am echt harten Stromgitarren-Liedgut, kaum stillbare Experimentierfreude (gepaart mit ausgeprägter Tabubruchsehnsucht), ein gehöriges Subkultur-Gourmetbedürfnis und einen schier überbordenden Kreativitätsfluss, der in Bahnen gelenkt werden muss. Sie waren mit ihrem Kochtrip früh (2001) dran, viel früher als die kommerzbesudelte Kochlöffel-Generalmobilmachung unserer Tage, und sie sind eine passende Antwort auf Flaschen wie die heimischen „Frisch gekocht"-Selbstdarsteller Andy Wojta und Alexander Fankhauser.

Die Cooks of Grind kochen beispielsweise auf dem räudigen Parkplatz tief im oststeirischen Westen, dort wo das Ex-Kohlerevier im Staub versinkt, im Kunstort Forum Stadtpark, beim Universitätsball, beim Straßenfest im neu erwachten Kreativviertel der verschlafenen Ex-Kulturhauptstadt Europas, auch im Rahmen des schicken Designfestivals. Zu einer Art Markenzeichen wurde der Hot-Dog-Automat der CoG: Weckerl&Würstelpräparierung mit Low-Tech-Flair. Die uniformierten Haubenköche fühlen sich im Vorstadtbeisl, wo sie das übliche Leberknödel&Schnitzelangebot bei Veranstaltungen gehörig aufmotzen, pudelwohl. Grammelschmalzbrot statt Jakobsmuschel. Falsche Kalamari (Frankfurter Würstel) statt dem ideenlosen Lachscarpaccio. Und „Pommes Schwarzweiß" für alle Sturmfans, die sich nach dem Besuch der Künstlerhaus-Ausstellung „Jahrhundertsturm" im CoG-Stammhaus, der großartigen Kombüse in der Grazer Erzherzog-Johann-Allee, laben. Dort, wo im promilleträchtigen Skihüttenambiente inklusive Schlagersingsang erst kürzlich Günter Brus gemeinsam mit Evel Knevel ein (improvisiertes) Duett angestimmt hat. Die Kombüse ist das praktische wie sinnliche Kreativlabor für jene, die das Motto „Männer kochen für Euch!" ausgerufen haben.

Beim Namen Cooks of Grind denkt der Schreiber dieser Zeilen automatisch an Sigi Maron. An Textzeilen des Liedermachers, des neuerdings auch wieder bühnenaktiven Protestsängers im Rollstuhl. Im Song „Da Hausmasta" heißt es: „hobts denn ka fantasie/spülts eich so wia i/ mi gespült ob ois a kind/ mit mein zechnkas und mit mein eignen grind". Grind in der Bedeutung von Schorf also. Tristesse und Witz gehen eine Einheit ein. Apropos Zechenkas. „Falscher Zechnkas" könnte eventuell einmal der Titel eines Gerichtes der Cooks of Grind sein. Auf Konventionen absolut pfeifen und doch diesseits der Peinlichkeitsgrenze agieren: das ist eine der Stärken der kulinarischen Eingreiftruppe, die längst mehr ist als eine Szenevergnügung im - kunstbetrieblich gesehen - immer höhepunktsärmeren Graz.
Kochen, bis die Flammen züngeln. Mit Hirn, Bauch und Seele. Und eben nicht selbstgefällig ein Spielball der Kunstschickeria werden.

Martin Behr, Mai 2009

 

Kontakt

Die Cooks of Grind im Internet: Externe Verknüpfung www.cooksofgrind.org