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Vielseitiger Ästhet mit Liebe zum Regietheater

Der Rumäne Ionut Chiriac spielt seit zehn Jahren Theater in deutscher Sprache – und steht mit 25 Jahren ganz am Anfang einer vielversprechenden Karriere.

Ionut Chiriac  © priv.
Ionut Chiriac
© priv.
Egal ob als handfester Einheimischer eines Bergvolks in der Dramatisierung des Romans „Das Wetter vor 15 Jahren" von Wolf Haas oder zuletzt in den „Nibelungen" als rumänisch sprechender Werbel - Chiriac fiel schon während seines Studiums an der Grazer Kunst-Uni, das er 2005 begann, durch eine starke Bühnenpräsenz auf und wurde wohl nicht zufällig fast zum Dauergast am Schauspielhaus Graz : In insgesamt fünf Produktionen wirkte er mit. Neben den Nibelungen und der Haas-Dramatisierung, auch in „Ostmark", einem Auftragswerk des polnischen Dichters und Essayisten Andrzej Stasiuk, sowie in der von Intendantin Anna Badora inszenierten „Antigone", wo Chiriac eine der eindringlichsten Stimmen in einem vielsprachigen, multikulturellen Chor g. Seit 24. Februar ist Chiriac an der Seite von Udo Samel in Shakespears „König Lear" als König von Frankreich zu sehen.

Egal ob als handfester Einheimischer eines Bergvolks in der Dramatisierung des Romans „Das Wetter vor 15 Jahren" von Wolf Haas oder zuletzt in den „Nibelungen" als rumänisch sprechender Werbel - Chiriac fiel schon während seines Studiums an der Grazer Kunst-Uni, das er 2005 begann, durch eine starke Bühnenpräsenz auf und wurde wohl nicht zufällig fast zum Dauergast am Schauspielhaus Graz : In insgesamt fünf Produktionen wirkte er mit. Neben den Nibelungen und der Haas-Dramatisierung, auch in „Ostmark", einem Auftragswerk des polnischen Dichters und Essayisten Andrzej Stasiuk, sowie in der von Intendantin Anna Badora inszenierten „Antigone", wo Chiriac eine der eindringlichsten Stimmen in einem vielsprachigen, multikulturellen Chor g. Seit 24. Februar ist Chiriac an der Seite von Udo Samel in Shakespears „König Lear" als König von Frankreich zu sehen.

Und das alles neben dem „doch sehr verschulten Betrieb an der Kunst-Uni", wie Chiriac bemerkt. Wie der 1984 in Alba Iulia geborene Mann, dessen Muttersprache Rumänisch ist, ausgerechnet nach Graz kam, ist eine schnell erzählte Geschichte, wenn sie auch angesichts des „Alters" von Chiriac schon vor recht langer Zeit begann.

Als in Rumänien das kommunistische Regime gestürzt wurde, war Ionut noch keine sechs Jahre alt. Als großen Bruch erlebte das Kind die Revolution nicht. „Ich habe nur ein paar Erinnerungen an das Schlangestehen, wenn man Milch kaufen wollte, und an unsere dicken Schlafanzüge, weil es so kalt war." Schlecht sei es seiner Familie aber nie gegangen - der Vater war Offizier, aber kein Parteimitglied.

Viel später begann der Weg des Schauspielers, und zwar in einer Laientruppe am Gymnasium in Timişoara, wo der Schüler Deutsch lernte und mit 15 begann, die Bühne als seinen Raum zu erobern. NIL hieß die Truppe und stand für Nikolaus-Lenau-Lyzeum. Von dort wurde Chiriac als Jugendlicher an das Deutsche Staatstheater Temeswar (DSTT) engagiert, wo er ein paar Jahre spielte und „eigentlich schon sehr gut verdiente".

Später habe er einen Plan gefasst, erzählt Ionut Chiriac in einem Café in Graz, wo er nun nach vier Jahren im Mai 2009 seinen Abschluss machen wird. Der Plan sah so aus: „Um den ludischen Teil meines Charakters zu befriedigen, spielte ich Theater, für den Geist inskribierte ich Philosophie an der Uni." Doch der Spieltrieb setzte sich immer stärker durch, und 2005 brach Chiriac seine Zelte in Timişoara ab und zog nach Berlin. Etwa gleichzeitig bewarb er sich für das Schauspielstudium in Rostock, wo er auch in die dritte Runde kam, und in Graz, wo er unter anderem aus „Don Carlos" und einen Monolog aus „Trainspotting" vorsprach und sofort genommen wurde.

An der Uni wirkte er auch in Tanzproduktionen mit. „Ich kann mich ein bisschen bewegen", sagt er bescheiden. Doch Graz als Stadt konnte der Student „eigentlich erst im letzten halben Jahr kennenlernen, weil ich jetzt ein bisschen Zeit dafür habe. Davor hatte ich teilweise 65-Stunden-Wochen". Die Stadt, die anfangs „etwas provinziell" erschien, wächst ihm langsam ein wenig ans Herz. Ob er hier bleiben bzw. welches andere Haus ihn engagieren wird, ist noch nicht sicher. Nach seiner Diplomarbeit, für die er das Stück "Kindereien" von Raymond Cousse selbst in Szene setzt und gemeinsam mit Mathias Spann auch spielt (zu sehen ab 4. Mai 2009 auf Ebene 3 im Schauspielhaus), könnte er jedenfalls noch für die eine oder andere Produktion in Graz und sicher auch am Stadttheater Klagenfurt auftauchen (z. B. in der Produktion „The Dark Side of the Moon").

Trotz zwischendurch schon recht konkreter Träume über die Gründung einer Shakespeare-Company in seiner Geburtsstadt Alba Iulia, wo ein Kulturhaus und eine malerische Burg bespielt werden könnten, will der junge Schauspieler nach seiner Ausbildung dem deutschsprachigen Raum treu bleiben. Denn er ist den hierorts gepflegten Theaterformen erlegen: „Es gibt einfach eine vielfältigere Ästhetik auf deutschsprachigen Bühnen, es wird mehr ausprobiert als in Rumänien oder auch im angelsächsischen Raum", erklärt er, „ich bin ein Fan des so genannten Regietheaters, auch wenn es oft als negativer Begriff verwendet wird".


Colette Schmidt, Februar 2009