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Gedenkjahr 2008 – 1968 – 1938 - 1918

(Projekte im Planungsstadium, bzw. In Ausarbeitung)

Jochen Gerz entwickelt ein künstlerisches Projekt zum Thema Machtmissbrauch in der Zeit des Nationalsozialismus im Machtzentrum Grazer Burg
Jochen Gerz in Graz, Juni 2008 
Jochen Gerz in Graz, Juni 2008Jochen Gerz in Graz, Juni 2008
 

Auf Initiative des Steiermärkischen Landtags wird 2008/2009, ausgehend vom Ort der Grazer Burg als historisches und gegenwärtiges Zentrum der Macht, eine künstlerische Arbeit entstehen, die das Erinnern an die Zeit des Nationalsozialismus in Graz und der Steiermark herausfordert. Konkreter inhaltlicher Ausgangspunkt ist in diesem Zusammenhang der Machtmissbrauch durch den Gauleiter und gleichzeitigen Landeshauptmann Siegfried Uiberreither.
Das Institut für Kunst im öffentlichen Raum Steiermark konnte für die anspruchsvolle Aufgabe den international renommierten Künstler Jochen Gerz gewinnen, der mit Projekten wie Die Gänse vom Feliferhof (Graz, 1996), dem Harburger Mahnmal gegen Faschismus (Hamburg, 1986-1993) - gemeinsam mit Esther Shalev-Gerz - oder dem Mahnmal gegen Rassismus in Saarbrücken (1990) den Denkmalbegriff im Sinne einer prozessorientierten Arbeit mit Öffentlichkeit(en) immer wieder neu interpretieren konnte.

Links:
Externe Verknüpfung http://www.gerz.fr/
Externe Verknüpfung http://offsite.kulturserver-graz.at/werke/949

 
1938 – 2008: Widerstand und Verfolgung in der Steiermark
Zu dieser brisanten Thematik wird es zwei Ausstellungen geben. Im Arkadengang des Landhauses werden die „NS-Herrschaftseliten in der Steiermark - Bruch und Kontinuität" näher beleuchtet. Das Grazer Stadtmuseum widmet sich dem Widerstand und der Verfolgung in der Steiermark: „Den Blick hinrichten". Der Künstler Ernst Logar setzt sich in dieser Ausstellung mit der Geschichte seines Großvaters auseinander, der als einer von zwölf Widerstandskämpfern im April 1945 von der Gestapo vom Landesgericht Graz abgeholt, in der damaligen SS-Kaserne - heute Belgierkaserne - in Wetzelsdorf erschossen und am Feliferhof verscharrt wurde. Die Ausstellungen werden im September 2008 eröffnet.
Zum Ausstellungskatalog werden auch zwei Bücher erscheinen, die sich mit den verschiedenen Aspekten des Nationalsozialismus auseinandersetzen: In „Briefe an den Führer" wird der damaligen Alltag in der Steiermark beschrieben und in „Zum Tode verurteilt" geht es um die NS-Justiz in Graz.
LH-Stv. Kurt Flecker hat zum Abschluss des Gesamtprojektes ein „Lexikon des steirischen Widerstands" beauftragt, das auch im Herbst erscheinen soll.
 
Sonderprojekt – Ausstellung „Verdrängte Jahre“
Das Österreichische Kabarettarchiv in Straden stellt anhand von Textstellen, Plakaten, Programmheften, Zeitungsartikeln, Publikationen, Bild- und Tondokumenten aber auch anhand von Biografien zahlreicher verfolgter und ermordeter KünstlerInnen die Zeitereignisse von 1918 bis 1938 dar.
Zur Eröffnung der Ausstellung, die gemeinsam mit dem Theaterland Steiermark produziert werden soll, Anfang Juli 2008 wird es eine musikalische Collage aus Texten des politischen Schriftstellers Jura Soyfer und anderen verfolgten KünstlerInnen geben.

„Why The Streets Have Their Names"-
Grazer Straßennamen: Herkunft und Bedeutung

Die Fachhochschule Joanneum Studienrichtung Journalismus geht im Sommersemester 2008 der Frage nach, warum, wann, welche Straßennamen in Graz entstanden sind. Denn Straßennamen dienen nicht nur der geographischen Orientierung, sondern können - kulturwissenschaftlich gesehen - auch als Indikatoren von Weltanschauung und Ideologie gelesen werden. Als wissenschaftliche Grundlage dient „Grazer Straßennamen. Herkunft und Bedeutung" von Karl A. Kubinzky und Astrid M. Wentner. Im Internet wird eine Datenbank mit sämtlichen Straßennamen angelegt und deren Veränderung im Laufe der Zeit mittels unterschiedlicher Farbgebungen sichtbar gemacht. Die Präsentation ist für Herbst 2008 geplant.

„Entartete Kunst"
In einer Vortragsreihe der Urania wird die Stellung der Kunst, die Situation der KünstlerInnen in der Steiermark während der NS-Zeit erörtert. Verschiedene Experten wie Werner Fenz (Institut für Kunst im öffentlichen Raum), Günther Holler Schuster (Künstler und Kurator), Herbert Lipski, Günter Eisenhut (Galerist) sowie Götz Pochat (Professor für Kunstgeschichte) geben Einblick in diese Thematik. Der Start dieser Veranstaltungsreihe ist für den Oktober 2008 geplant.

Symposium „Kunst und Gesellschaft"
Das Kulturzentrum bei den Minoriten in Graz veranstaltet gemeinsam mit dem Land Steiermark im November 2008 ein hochkarätig international besetztes Symposium zum Thema „Kunst und Gesellschaft". Dieses steht ganz im Zeichen des Verhältnisses von Kunst und Ästhetik zu Gesellschaft, Politik und Ideologien. „Gerade ein Gedenkjahr, das auf so einschneidende Brüche und Veränderungen verweist, auf die Entwicklung und den Niedergang von politischen Systemen, fordert die Frage heraus, welche Rolle Kultur, Kunst und Ästhetik dabei gespielt haben und spielen", heißt es in der Ankündigung.
Zu Wort kommen werden u.a. Peter Weibel (Kunst- und Medientheoretiker), Boris Groys (Professor für Kunstwissenschaft, Philosophie und Medientheorie) und Pascal Bruckner (Essayist und Romancier).

 
Buchtipp: „Aus dem Blickfeld“
Karin M. Schmidlechenr/Heimo Halbrainer (Hg.)

Eine biographische Annäherung an ambivalente Lebensszenarien steirischer Frauen in der Kriegs- und Nachkriegszeit (1939 - 1955)

 

Die AutorInnen unter Karin M- Schmidlechner und Heimo Halbrainer als Herausgeber des vorliegenden Bandes beschäftigen sich mit Biographien von steirischen Frauen, die nicht dem Frauen-Bild der damaligen Gesellschaft entsprachen, und rücken deren Lebensentwürfe ins Blickfeld der Wahrnehmung.

 

Mit Beiträgen von:

Dieter A. Binder
Regina Brunnhofer
Heimo Halbrainer
Gerald Lamprecht
Karin M. Schmidlechner
Ute Sonnleitner
Andrea Strutz

 

Leykam Buchverlag

 

 
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