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Konsequent.Mensch.

Claudia Nebel hält die Energie des Moments auf Leinwand fest. Mit ihren Projekten beleuchtet sie brisante Themen und rückt Zusammenhänge künstlerisch ins Bewusstsein.

Claudia Nebel © priv.
Claudia Nebel
© priv.

Energie ist Claudia Nebels Element. Die bildende Künstlerin speichert die Kraft des Augenblicks in ihren Werken, entwickelt sie weiter und erweckt sie neu zum Leben. Zwischen Graz und Wien pendelnd, hat sie viele Ideen im Gepäck. Aktuell arbeitet Nebel an vier Projekten. Die Themen ihrer Arbeiten fokussieren ausschließlich ein Motiv: den Menschen.

Marathonläufer, Prostituierte, Bettler, Passanten - Claudia Nebel begegnet den Ideen zu ihren Projekten meist auf der Straße. „Wenn mir auf meinen Streifzügen durch die Stadt etwas auffällt, habe ich das Gefühl, ich kann mit meiner Arbeit irgendetwas bewirken", sagt die passionierte Flaneurin. Ein Auslandsaufenthalt in den USA Mitte der 90er führte die 1972 in Graz geborene Germanistin zur Malerei. Seit drei Jahren ist Nebel beruflich ausschließlich als Malerin tätig.

emergence 3 -100x100cm Acryl auf Leinwand © Claudia Nebel
emergence 3 -100x100cm Acryl auf Leinwand
© Claudia Nebel
emergence 9 - 100x80cm - Acryl auf Leinwand © Claudia Nebel
emergence 9 - 100x80cm - Acryl auf Leinwand
© Claudia Nebel

Nebel verfolgt ihren charakteristischen Stil konsequent. Sie fertigt stets Porträts - halbabstrakte Porträts, nie klassische - und geht immer vom Fotomaterial aus. „Dass eine Person vor mir sitzt, während ich sie zeichne, so eine Situation mag ich nicht", sagt die Künstlerin. Lieber begibt sie sich mit Fotoapparat und Videokamera auf Feldrecherche.

Kein Ort ist ihr zu entlegen, kein Lokal zu zwielichtig. Nebel liebt die Herausforderung, mit Licht scheinbar undurchsichtige Thematiken transparent zu machen. Sie muss die Menschen, die sie porträtiert, und die Hintergründe ihres Projekts fühlen, um Zusammenhänge herstellen und das Thema künstlerisch darstellen und ins Bewusstsein rücken zu können. Für ihre Arbeit „Ich.Hure." hat Nebel an der Bar eines Bordells gearbeitet, Prostituierte kennengelernt und intensive Einblicke hinter die glitzernde Fassade eines Wiener Etablissements genommen. Die Künstlerin schließt sich als Prostituierte nicht aus und porträtiert sich für „Ich.Hure." auch selbst.

Eine Kooperation mit dem Designfestival Assembly 5 knüpft an „Ich.Hure." an. Menschen rund um die Annenstraße werden von Nebel auf hellen Kleidungsstücken in dunklen Farben porträtiert. Durch das Tragen der Designobjekte agieren die dargestellten Menschen als Teil des Festivals.

Der Hell-Dunkel-Kontrast ist für Nebels Werke charakteristisch. Frühere Serien der Künstlerin sind ausschließlich schwarz-weiß gemalt. Erst seit kurzem variiert sie die Farbgebung ihrer mit Acrylfarben gefertigten Werke. Aktuell fließt die Energie der Künstlerin vorwiegend in ihr ambitioniertes Projekt „Hostice.Lebt.". Nebel unternimmt den Versuch, Menschen, die in Graz ausschließlich als Bettler wahrgenommen werden, in ihrer Gesamtheit darzustellen. „Hostice.Lebt." ist als Kombinationsausstellung aus Porträts, Fotos und einem Video konzipiert. „Im Prinzip ist es immer die gleiche Grundidee. Es geht immer um Porträts und es ist stets eine Geschichte, die aus mehreren Dingen zusammengefügt ist", bringt Claudia Nebel ihr künstlerisches Schaffen auf den Punkt.

Anfang September plant die Künstlerin, eine Arbeit bei einem Kulturfestival in Uganda umzusetzen - im Rahmen des Projekts „Crossing Cultures" des Afro-Asiatischen Instituts Graz. Wie sich die Idee genau entwickeln wird, entscheidet die Energie vor Ort. Angedacht ist, die Kraft des Moments durch das Tanzen der Festivalbesucher über eine Leinwand zu speichern und weiterzuentwickeln.

Internet: Externe Verknüpfung www.claudianebel.at

Michaela Hawlik, 2009