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Die analoge Rauheit

Der Fotograf Klaus Mähring reist seit fünf Jahren durch Osteuropa. Auf der Suche nach Orten und Menschen, die noch nicht vom Perfektionswahn infiziert sind.

Klaus Mähring © priv.
Klaus Mähring
© priv.
Nach der Schulzeit in Graz übersiedelte Klaus Mähring nach Wien. Er absolvierte unter anderem die Schule für künstlerische Fotografie und lernte bei Friedl Kubelka, Margaretha Spiluttini und Franz West. Nach zwei Gruppenausstellungen in Salzburg konnte er seine Werke rund um die Jahrtausendwende auch in Wien und Montreal präsentieren. 2003 begann dann ein entscheidendes Kapitel im Leben und Arbeiten von Klaus Mähring. Er gründete das Unternehmen „On The Road Productions" und machte sich auf die Reise.

In Rumänien, Polen, Bulgarien, Moldawien und der Ukraine fertigte Mähring reale Bilder abseits der glamourösen Medien- und Modewelten des Westens an. Verlassene Orte, bodenständige Menschen und jede Menge Peripherie werden hier auf eine so noch nie gesehene Weise in den Mittelpunkt gestellt. Die Ablehnung von Perfektion betrifft in Mährings Arbeiten nicht nur seine Motive, sondern auch den Zugang zum Medium Fotografie an sich. Dass sich selbst seine KollegInnen aus dem journalistischen Bereich immer mehr der zwanghaften Suche nach möglichst vollkommener Schönheit verschreiben, kritisiert Mähring in Wort und Bild. Seine Verweigerungshaltung führt aber nun nicht zu depressiven Schwarz-Weiß-Fotografien, sondern zu Aufnahmen voller eigenwilliger Farben und nicht selten mit einem speziellen, sehr subtilen Humor. Über seine Arbeit mit Menschen sagt Mähring: „Jedes Porträt hat nur einen Moment und ein Negativ, und jedes Porträt entspringt meiner Idee, Ikonen jenseits der bekannten Welt zu finden." Auf der Reise führt er ein komplett eingerichtetes mobiles Studio samt Dunkelkammer mit. Nach der Aufnahme wird das Foto vor Ort entwickelt, ausgestellt und den Porträtierten gegeben. „Erst dann", so Mähring, „fühle ich mich berechtigt, diese Bilder aus ‚ihrem' Ort mitzunehmen."

Die Fotografien von Klaus Mähring, die eifrigen Zeitschriftenlesern wahrscheinlich im Popkulturmagazin „The Gap" und im leider bereits eingestellten „Bob" aufgefallen sind, zeigen eine Wirklichkeit, die man für längst vergangen halten könnte. Eine ganz besondere Perspektive weist die Serie „Microcosmos" auf. Mähring beschreibt seine Methode so: „Durch eine einzige Bewegung der Plattenkamera und durch den Einsatz farbverfremdenden Materials wird aus der Welt plötzlich Legoland. Diese verwirrenden Aufnahmen werden durch die übergroße panoramahafte Ausarbeitung intensiviert."

Angesichts der massiven Ausbreitung digitaler Fotografie sieht Klaus Mähring neue Chancen für eine künstlerische Gegenbewegung: „Das Negativ erhält einen neuen Stellenwert, die analoge Rauheit und der gesamte Prozess werden zu einer eigenen Bildsprache." 2008 begibt sich „On The Road Productions" erstmals auf eine Gruppenreise. Mähring hat KünstlerkollegInnen eingeladen, ihn drei Wochen lang auf die Halbinsel Krim und später auf eine Tour durch Georgien zu begleiten. In einem großen Bus der Marke Steyr-Ikarus, Baujahr 1974 und damit ein Jahr älter als der Fotograf selbst, ist alles untergebracht, was unterwegs benötigt wird. Die Ergebnisse dieser Reise sind dann im September in der Galerie „STAMBA" in Tiflis (Georgien) zu sehen.

Natasha, Pasheva, Ukraine  2007, C-Print © Klaus Mähring
Natasha, Pasheva, Ukraine 2007, C-Print
© Klaus Mähring
Mikolai, Pasheva, Ukraine 2007, C-Print © Klaus Mähring
Mikolai, Pasheva, Ukraine 2007, C-Print
© Klaus Mähring
Young Man, Gradiste, Republic of Moldova 2005, C-Print © Klaus Mähring
Young Man, Gradiste, Republic of Moldova 2005, C-Print
© Klaus Mähring
Klaus Mähring and On The Road Productions at work in Ukraine, 2005, picture by Michael Zwetkoff © Michael Zwetkoff
Klaus Mähring and On The Road Productions at work in Ukraine, 2005, picture by Michael Zwetkoff
© Michael Zwetkoff
Microbus, Serbia 2007, C-Print © Klaus Mähring
Microbus, Serbia 2007, C-Print
© Klaus Mähring
Für alle SammlerInnen: Klaus Mährings Arbeiten, die unter anderem auch in der Camera Austria veröffentlicht wurden, werden von der Art Labor Gallery in Shanghai vertrieben.

Wolfgang Kühnelt, April 2008