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3 Akkorde und die Wahrheit

Über die akustischen Perlen des Songwriters Werner L. Preitler

(c) Werner Preitler © (c) Werner Preitler
(c) Werner Preitler
© (c) Werner Preitler

Wenn man die steirischen Popbarden STS mit Crosby, Stills und Nash vergleichen möchte und die EAV in ihrer Frühzeit als musikalische Monty Pythons sieht (und in der Spätphase als Kindertheater), dann müsste man den Songwriter Werner L. Preitler irgendwo zwischen dem Rocksatiriker Frank Zappa und dem Underground-King Lou Reed ansiedeln. Mit dem einen Unterschied nur: Die Marktgemeinde Riegersburg, wo Preitler lebt, ist nicht New York, Leute wie Zappa oder Lou Reed wären in der Oststeiermark mit Sicherheit fehl am Platz. Und weil es in den Songs von Werner Preitler immer wieder um die Unerträglichkeit des Lebens und um die Verlogenheit der Gesellschaft geht, und weil der Rockbarde zudem keine hohe Meinung vom „Business" hat, so ist es kein Wunder, dass dem 41-Jährigen so etwas wie eine Rockkarriere bis dato verwehrt blieb. Sich dem System „Austropop" unterzuordnen oder sich bei einem Produzenten oder Manager oder Radiomenschen anzubiedern, um einen Plattenvertrag oder etwas Airplay auf FM4 zu ergattern, wäre das Letzte für ihn.

Dabei gibt es in unseren Breiten nur wenige, die das simple Rezept des Rock'n'Roll - „All you need is a red guitar, three chords and the truth" (Bob Dylan) - so aus dem Effeff umsetzen können wie Preitler. Aus seiner Gitarre strömen die kleinen, einprägsamen Akkordfolgen, die einen Rocksong zum Dreieinhalbminuten-Movie machen, raus wie nichts, und Preitlers sonorer Bariton hat nur eine Mission: Er soll der Wahrheit bzw. Wahrhaftigkeit dienen und erzählt Geschichten von der Härte des „tödlichen Lebens". „Doch niemand will das hören!", heißt es im Song „Der Dilettant". Und in einem anderen Song mit dem Titel „Wenn ich nur wüsst'", klagt der sendungsbewusste Musiker:

„Oh, es ist so hart immer unter euch zu sein,
Es ist ein Wahnsinn, andauernd in die Leere zu schrei'n.
Und jeder Idiot findet heut sein Publikum,
denn er verspricht euch ein neues Elysium,
ein neues Elysium"

6 CDs hat der Multiinstrumentalist bis dato im Alleingang aufgenommen, produziert und ab Hof verkauft, 2007 erschienen zwei davon: „Der Engel im Schweinestall" mit 15, teils älteren Songs und „444" mit 5 neuen Songs. Die Highlights: Das rockig-scheppernde „444" etwa, die herzzerreißende Mid-Tempo-Lebensballade „Nur Du" oder der Song „Wir fahren durch die Nacht" im Neue-Deutsche-Welle-Retro-Sound. Das sind Rockperlen, die ins Ohr gehen, als wären sie Onkel Lous Fe(n)der entsprungen. Hier stimmt der Sound, der Ton, das Timbre und das musikalische Arrangement. Dass FM4 und Radio Soundportal nicht schon längst Preitler auf der Playlist haben, ist eines der großen Mysterien der österreichisch-steirischen Alternativ-Musikradios.

Auch wenn manche von seinen Songs nicht gleich ins Ohr gehen und man hin und wieder akustische Austernschale knacken muss, um zur Perle vorzudringen, so entfalten etliche seiner Kompositionen Wurmcharakter im Mittelohr. Die Arrangements sind raffiniert, die Texte pur und pointiert und die Bandbreite des Musikers zwischen Rocksong, Drum'n'Bass und Austropop-Ballade mit tiefschwarzem Text ist breiter als das Raabtal. Doch nicht nur musikalisch überschreitet der Songwriter Grenzen: Seit 2006 ist er bildnerisch tätig, und mit seiner „Original senkrechten Bierpartei" (OSB) ist er zudem für politisch-aktionistische Einlagen gut.

Werner Schandor, Jänner 2008