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Powerfrau mit weichem Kern

Maja Jaku ist die Jazzdiva in Graz, privat will sie aber „ganz normal“ sein.

Maja Jaku  © Robert Uranitsch
Maja Jaku
© Robert Uranitsch
Es war der Grazer Saxophonist Karlheinz Miklin, der einst Urlaub in Montenegro machte und dies mit einem Besuch bei dem Jazztrompeter Ljuba Jakupovic verbinden wollte. In einem Jazzclub hörte er die damals 15-jährige Maja, die Tochter des Trompeters, singen. Miklin schien Gefallen an der Stimme gefunden zu haben und holte Maja Jaku(povic) nach Graz, wo sie 1991 auf Anhieb die Aufnahmsprüfung für Jazzgesang an der Kunstuniversität Graz bestand. Sie studierte bei Mark Murphy, Jay Clayton, Andy Bey und Sheila Jordan Jazzgesang, wobei „Sheila vor allem meine ehrliche und natürliche Stimme liebte", so Jaku. Sie beendete das Studium aber nie, da sie weniger der Theorie als der Praxis Beachtung schenkte. Miklin, mit dem sie später oft musizierte, sagte einmal bei einem Auftritt im ausverkauften Stefaniensaal in Graz, dass „Maja Jaku die beste Sängerin, aber schlechteste Studentin sei, die ich kenne." Während ihrer Studienzeit tourte sie unter anderem mit Gerd Schullers „Attack" und trat bei zwei Musicalproduktionen („Hair" und „Godspell") in der Grazer Oper auf. Hier konnte sie vor allem ihre Bühnenpräsenz perfektionieren. Da sie, wie sie meint „uneitel spirituell" ist, begann sie auch Gospels zu singen und sang bisher in „allen Kirchen von Graz". Dies half ihr gewiss ihren eigenen Stil zu entwickeln, nämlich die dunkelsten Songs ungemein liebevoll und sympathisch, aber trotzdem mit vollster Kraft und das in 3 ½ Oktaven zu intonieren.

In Graz sieht sie beste Jazzszene in Österreich beheimatet. „Das Publikum hier schätzt die Qualität, ist aber auch sehr streng", so Jaku, die gerne in Graz lebt, weil sie hier Ruhe zum Arbeiten findet. „Im Kosovo gab es leider keine Entwicklungsmöglichkeiten für mich, außerdem sehe ich mich näher beim Straight Ahead Jazz als beim Balkanjazz. Obwohl, es gibt sehr schöne, groovige Volkslieder im Kosovo", so Jaku. Dennoch liebt sie das American Songbook und schreibt auch eigene Songs, zusammen mit ihrem Ehemann Sascha Mutic. „Sascha ist ein wunderbarer Musiker, der sehr geduldig und entspannt, aber auch präzise und kritisch sein kann. Er hat mich vor allem gelehrt, als Bandleaderin aufzutreten und nicht nur als Sängerin." Ihre warme, volumenreiche Stimme lässt Standards in neuem Licht erstrahlen, sie streut auch kräftig Blues und Gospel in ihren musikalischen Mix.

„Stolz bin ich vor allem darauf, dass ich immer ich bleiben konnte und immer ehrlich zu mir gewesen bin", sagt Jaku und betont damit ihren persönlichen Stil. „Ich habe auch einige Auftritte kommerzieller Natur hinter mir und sehe da keinen Widerspruch zu dem, was ich sonst mache. Denn was zählt, ist die Qualität", so Jaku, die sich immer im Rahmen Jazz/Gospel/Soul bewegt. Ist sie auf der Bühne die, die im Mittelpunkt steht, so ist sie privat gerne „ganz normal", wie sie lächelnd gesteht.

Auf die Zukunft angesprochen antwortet Jaku spontan: „Wenn alles weiterhin so bleibt und es meiner Familie künftig ebenso gut geht, läuft alles perfekt." Ohne Pläne kann aber auch Jaku nicht sein, deswegen ist für Ende 2008 eine neue CD geplant, denn: „CDs sind was Bleibendes, Konzerte vergehen."

 

Christian Salentinig, Dezember 2007