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Der Ehren-Steirer

Der Dramatiker Ewald Palmetshofer absolvierte seine ersten Bühnenschritte in der steirischen Theaterszene.

Ewald Palmetshofer © Alexi Pelekanos / Schauspielhaus
Ewald Palmetshofer
© Alexi Pelekanos / Schauspielhaus
„Das Schreiben ist der Versuch, etwas beim Namen zu nennen, oder eher, bei vielen Namen zu nennen, weil die Dinge nicht nur einen Namen haben": Ewald Palmetshofer, dessen Arbeiten schon international wahrgenommen werden, versucht immer wieder, die äußere Form seiner Entwicklung anzupassen. Der 1978 im Mühlviertel geborene Oberösterreicher begann nicht sofort mit Dramen, es ging ihm zunächst mehr ums Schreiben an sich: „Es war eine Suche, ein Parcours, um eine Ausdrucksform zu finden, was in der Rückschau von lyrischen Versuchen über Kurzgeschichten und Prosaarbeiten schließlich zu dramatischen Texten, also zum Schreiben fürs Theater, führte. Es wurde immer deutlicher, dass mich das gesprochene Wort mehr interessierte als das bloß gedachte", erklärt Palmetshofer seine Arbeit.

Es sind sehr unterschiedliche Themen, die den Autor interessieren, seine Texte zeichnen sich aber stets durch eine knappe, intensive Sprache aus. So erinnert „sauschneiden" in seiner sprachlichen Direktheit und der Verwendung von Dialekt noch an die neuen Volksstücke der 70er-Jahre. Es beschreibt zwei Frauen auf einem Bauernhof, die unter Männergewalt leiden. Das Stück wurde 2006 im Grazer Schauspielhaus auf der Ebene 3 aufgeführt und hatte dem Autor bereits ein Jahr zuvor den Retzhofer Literaturpreis eingebracht. Aus dieser Zeit rührt auch seine besondere Beziehung zu Graz und der Steiermark

In eine andere Welt führt „helden", in der zwei junge Menschen ihr altes Spiel von Spiderman und Catwoman mit politischen Ideologien, die längst schon keine mehr sind, auffüllen. „Judith, sei die Catwoman. Heut. Die Bombe geht hoch. Vestehst. Die Bombe. Du bist doch bereit. Jetzt ruft die Welt. Ruft nach Catwoman. Ruft nach Spiderman. [...] Heut regnet's Feuer. Heut brennt das Wasser. Die Welt geht unter." Das Stück wurde unter dem Titel „superheroes" (Übersetzung: Neil Felming) im Jänner 2007 am Shop Theater am New Yorker Broadway in einer Lesung präsentiert.

Zu seinem Stück „wohnen. unter glas.", in dem es um das Treffen dreier Menschen um die 30 und ihre Neuauslotung der Gefühle geht, meint Palmetshofer: „Die Arbeit an meinem vorletzten Stück war besonders wichtig, weil ich damit formal und sprachlich einen Schritt weiter gegangen bin. ‚hamlet ist tot. keine schwerkraft' hat diese Entwicklung nochmals vorangetrieben und zugespitzt."

Die Arbeit an diesem Drama erfolgte im Rahmen seiner Arbeit bei den Wiener Wortstaetten. In der Saison 2007/08 ist Ewald Palmetshofer als Hausautor am Schauspielhaus Wien tätig, wo auch „hamlet ist tot. keine schwerkraft" im November 07 in der Regie von Felicitas Brucker uraufgeführt wurde. Darin skizziert der Autor eine Familie, die keine Zukunft und keine Vergangenheit hat, die in ihrem eignen Netz - oder doch in der oft zitierten „Maschine" - gefangen ist. „Der Himmel ist eine Maschine und gibt eine Zahl. Wie das Amt. So muss man sich das vorstellen. Der Himmel ist wie das Amt. Ist wie das Arbeitsamt zum Beispiel, nein ist wie die Maschine im Arbeitsamt und gibt die eine Zahl. Und wenn dir der Himmel eine Zahl gibt, kann man mit dir rechnen", sinniert Mani, der Sohn in „hamlet ist tot".

Derzeit arbeitet Ewald Palmetshofer an einem Kurzdrama über die 90er-Jahre für die Schaubühne Berlin, das gemeinsam mit anderen Arbeiten anderer AutorInnen im Rahmen des Projekts „60 Jahre Deutschland" im Frühjahr gezeigt werden soll.
Über seine zukünftige Entwicklung will der Autor keine Prognosen anstellen: „Ich kann mich nicht so leicht in die Zukunft denken. Das funktioniert nicht und mit so vielen Variablen kann man auch nicht rechnen. Da käme dann nichts raus als wieder diese gleichen Variablen. Ich muss das Wünschen klein halten und überschaubar. Und vielleicht passiert dann dazwischen eine Weiterentwicklung, wenn die Suche glückt."

Karin Zehetleitner, Dezember 2007