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Gut vernetzt.

Die Künstlerin Lia pendelt zwischen Wien, Graz und dem Rest der Welt

Das Internet war kaum geboren, da beschäftigte sich eine junge Grazerin bereits mit den neuen Möglichkeiten des world wide web. Zwar dominierten zu Beginn noch „kommerzielle" Aufträge wie die Programmierung von Websites, doch bald verwendete Lia die von ihr bevorzugte Software Macromedia Director vorrangig zur Kunstproduktion. Über diese Entwicklung sagt sie: „Ich wollte nie Künstlerin werden, es ist einfach passiert. Ich habe nach Sachen gesucht, die mir Spaß machen." Ihre erste größere Arbeit, nun als Archiv auf Externe Verknüpfung www.turux.at zu sehen, wurde prompt in internationalen Grafikmagazinen und Kunstforen besprochen. Seitdem suchen Lias diverse Projekte auf ungewöhnlich intensive Art den Kontakt mit dem Publikum. Nicht nur bei Festivals wie der Ars Electronica oder im Rahmen von Ausstellungen wie zuletzt bei „Kunstmaschinen Maschinenkunst" in der Schirn Kunsthalle Frankfurt. Auch Lias Websites sind oft von den User/innen veränderbar, so reagieren etwa interaktive Arbeiten auf der Portfolio-Seite „Strange things happen" (Externe Verknüpfung www.strangeThingsHappen.org) auf Impulse von außen in grafischer wie akustischer Hinsicht.

Lia © priv.
Lia
© priv.

Seit 2000 sorgt die Künstlerin auch mit Live-Visuals für visuelle Zusatzreize zu elektronischer Musik, wobei sie hauptsächlich mit dem Grafikdesigner Miguel Carvalhais und dem Künstler Pedro Tudela im portugiesischen Musikprojekt @c kooperiert.
Seit einigen Jahren widmet sich Lia neben der eigenen künstlerischen Arbeit vermehrt der Lehrtätigkeit an der Grazer Fachhochschule Joanneum (Fach: Multimedia Authoring).

Der Einzug der so genannten „neuen Medien" in die Kunstwelt hat bereits deutliche Spuren hinterlassen. Allerdings wird es noch weitere fünf Jahre dauern, so schätzt Lia, bis auch die großen Sammlungen und Museen in vollem Umfang realisiert haben, dass es in diesem Bereich neue Ausdrucksformen und -möglichkeiten gibt, deren Anschaffung immer wichtiger wird. Die Aufbauarbeit von Institutionen wie der Ars Electronica in Linz oder auch dem Medienturm in Graz trägt jedenfalls erste Früchte. Wer eine Arbeit von Lia erwerben möchte, kann sich zum Beispiel eine öffentlich zugängliche Website gestalten lassen oder aber ein „eigenes" digitales Kunstwerk, über dessen adäquate Präsentation im privaten Raum sich die Künstlerin bereits bei der Auftragsvergabe Gedanken macht. Schließlich macht es einen gehörigen Unterschied, ob eine Animation auf einem kleinen Bildschirm oder einer Hausfassade gezeigt wird. Die neue Tendenz, aus den digitalen Daten auch analoge Prints anzufertigen, hat Lia noch nicht überzeugt: „Das Zwischenstadium, etwas an die Wand zu hängen, das ursprünglich bewegt war und für den Computer gedacht war, stimmt für mich nicht. Das erinnert mich daran, wenn man von einem Video ein Standbild ausdruckt. Das ist vielleicht eine Erinnerung, aber eben nur ein kleiner Teil des Ganzen." Spätestens mit der Maschinenkunst-Ausstellung in Frankfurt, die von März bis Ende Juni 2008 auch im Museum Tinguely in Basel zu sehen sein wird, hat Lia ein größeres internationales Publikum erreicht. Und schön langsam nimmt man sogar im Inland von ihrer Kunst Notiz. Mit dem soeben zugesprochenen Staatsstipendium etwa, das Lia im Jahr 2008 vor allem für ein Buchprojekt verwenden will.

Weitere Links:
www.re-move.org (preisgekrönt bei der Ars Electronica)
Externe Verknüpfung www.itIsBlackItisWhite.org (schwarzweiß und äußerst interaktiv)
Externe Verknüpfung www.iSaidIf.net (Werk für die Ausstellung Kunstmaschinen Maschinenkunst)

Wolfgang Kühnelt, Jänner 2008