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Zwischen Gleisdorf und New York

Die junge Jazzsängerin Simone Kopmajer ist in Japan und den USA bekannter als in der Steiermark

Kopmejer Simone © Mary Jane
Kopmejer Simone
© Mary Jane

Vielleicht sollten wir uns diese kleine Nachricht, die sich da zwischen allerhand hastigen Anrufern auf unserer Mailbox eingenistet hat, tatsächlich im Archiv abspeichern. Nicht dass dieses liebevolle Früchtchen an Stimme in Zeiten von Downloads und Musikpiraterie einmal eine musikgeschichtliche Devotionalie werden könnte, nein, man sollte sich einfach ein Stückchen Natürlichkeit bewahren. Vielleicht zur steten Erinnerung daran, dass das Große im Kleinen zu suchen ist.

Kaum zu glauben, dass diese Stimme mit dem mädchenhaften Charme, gewürzt mit dem ländlichen Kolorit aus dem Ausseerland einer professionellen Jazzsängerin gehört, die sich in Japan so gut verkauft. Dort wird sich wohl auch kaum jemand fragen, warum diese unter einem Namen firmiert, der in der österreichischen Musikbranche so ganz und gar anders besetzt ist: Simone. Und man mag bei der ersten Begegnung mit der Sängerin auch von ihrer äußeren Natürlichkeit überrascht sein, wenn man sie bislang nur von ihren Plattencovers her kannte, auf denen ihr amerikanischer Produzent die Betonung weiblicher Attribute als gewisses Credo des Plattengeschäfts diktiert.

Von den anderen ihrer jungen heimischen Kolleginnen unterscheidet sich Simone Kopmajer unter anderem also auch dadurch, dass sie seit einigen Jahren bereits am internationalen Parkett zugange ist. Immerhin ist es schon ihre dritte CD, die 2007 unter dem Titel „taking a chance on love" am japanischen Plattenlabel Venus erschienen ist. Begleitet von international so renommierten Jazzmusikern wie Houston Person, George Mraz oder Dick Oatts verstrahlt die Ausseerin dabei mit einnehmenden Interpretationen von Titeln aus dem American Songbook eine durchwegs intime Aura, die gleichzeitig aber auch weltoffen ist und den Einfluss der großen Stimmen des amerikanischen Showbusiness nicht verbergen will.
Gelernt hat sie den großen Aufschwung, als sie während ihres Studiums an der Grazer Musikuniversität die Gelegenheit hatte, mit den Meistern ihres Faches zu arbeiten. Sheila Jordan, Mark Murphy, Michele Hendricks und Jay Clayton waren darunter.

Ihre Aufenthalte in den USA, wo die Steirerin bereits mit ganzen 19 Jahren debütierte, taten freilich ein Übriges an ihrem Gesangsstil, etwas, das einer gewissen Nonchalance nicht schaden konnte. Freilich darf auch nicht unerwähnt bleiben, dass es wieder einmal in Amerika war, wo ein bislang unbeschriebenes Blatt entdeckt wurde. Man muss halt das Glück haben, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort singen.

Klar ist aber auch, dass Simone unter der Fuchtel ihres Produzenten nicht zwingend ihre ganz persönliche Note entfalten kann. Doch als 1981er-Jahrgang hat sie, die sie im Alter von grünen zwölf Jahren ihren ersten Bühnenauftritt hatte, freilich noch ein Weilchen Zeit, sich endlich auch den Wunsch einer eigenen „working band" zu erfüllen, um jene Songs auszufeilen, an denen sie bereits begonnen hat zu schreiben. Überraschenderweise sind das aber nicht Balladen, die ihr im Sinn stehen, sondern es sind die betonte Rhythmik und der melodische Schwung, denen sie ihre Feder folgen lassen will. Und nicht weniger als das Charisma, aus ganz einfachen Melodien ganz große Songs zu machen, scheint ihr dafür wohlgesonnen. Vielleicht war auch das ein Aspekt, warum ihr im Rahmen des angesehenen Hans Koller-Preises im Jahr 2003 ein Stipendium zuerkannt wurde. Als einer unter mehreren Preisen.

Auch wenn sie sich über den großen Verkaufserfolg ihrer CDs, die kurioserweise bei uns noch nicht so bekannt sind wie in Japan, Spanien oder den USA, durchaus freuen kann, arbeitet die steirische Jazzvokalistin auch noch als Gesangslehrerin in Gleisdorf. Wie sich das mit ihrer Pendlerei zwischen dort und dem Studio in New York sowie ihren Festivalauftritten hinkünftig ausgehen soll, ist uns auch nicht ganz klar. Einer der vielversprechendsten österreichischen Stimmen des Genres wird man aber so manche Freiheit lassen müssen.

Internet:
Externe Verknüpfung www.simonekopmajer.com

Otmar Klammer, Jänner 2008