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Schauen und miterleben, welche Kräfte am Werk sind

Daniel Hafner, Medienkünstler

Daniel Hafner und Optoschüttler, 2006 © priv.
Daniel Hafner und Optoschüttler, 2006
© priv.

Im Sommer des Jahres 2006 machte sich der junge Grazer Medienkünstler Daniel Hafner daran, 25 Meter Landstraße, irgendwo auf der Strecke zwischen Feldbach und Mürzzuschlag gelegen, akustisch abzubilden. Die Idee zu dieser Arbeit entstand mit der Vergabe des K.U.L.M.-Stipendiums an den Künstler und der Einladung zur Teilnahme an der Ausstellung „Periphere Strukturen" in der Kunsthalle Feldbach im Rahmen des steirischen herbst.

Installationsskizze BRRRRMMMMM, 2006 © priv.
Installationsskizze BRRRRMMMMM, 2006
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Morphotransformation Nr.02, c-print, 70x100 cm, 2006 © priv.
Morphotransformation Nr.02, c-print, 70x100 cm, 2006
© priv.
Regen-Momentaufnahme #0608141129 © priv.
Regen-Momentaufnahme #0608141129
© priv.

Die Arbeit sollte aber nicht einfach per Mikrofon, Aufnahmegerät und naheliegender Wiedergabe durch herkömmliche Apparaturen ausgeführt werden. Verfahren und Ergebnis sprechen für die Grundhaltung des Künstlers, der vorausgehenden präzisen Beobachtung eine ebensolche Ausführung als Werk folgen zu lassen.
Also baute er entlang eines 25 Meter langen Gangs in der Kunsthalle Feldbach eine Batterie von Lautsprechern auf, die die festgehaltenen Geräusche aus dem Umkreis des gleich langen Straßenabschnitts wiedergaben. Zu hören waren hauptsächlich Vogelgezwitscher und Grillengezirp, hin und wieder das Geräusch eines vorüberfahrenden Autos. Die Wiedergabe des erstellten Tondokuments lehnte Hafner an Prinzipen serieller Abfolgen von Einzelbildern an, wie sie zur Erstellung von Bewegungssequenzen durch Étienne Jules Marey oder Eadward Muybridge noch zu Ende des 19. Jahrhunderts angewandt wurden, und wie sie im Prinzip immer noch für den Film gelten. Für jeden Lautsprecher entlang der Strecke bearbeitete Hafner ein komplettes, dem Aufstellungsort entsprechendes Soundsample mit Hüllkurve und Dopplereffekt. Der Geschwindigkeit des vorüberfahrenden Autos angepasst, wurde nacheinander jeder Lautsprecher einzeln angesteuert, was in Summe dem wirklichen Verlauf der Geräusche verblüffend nah kam - eine Installation als Hörfilm namens BRRRRMMMMM.

Der 1979 in Deutschlandsberg geborene Daniel Hafner absolvierte die Meisterschule für Kunst und Gestaltung in Graz. Er war - wohl in mehrfachem Sinn - außerordentlicher Schüler von Jörg Schlick, studierte an der Universität für bildende Kunst in Wien bei Peter Kogler und Heimo Zobernig. Auf der Höhe der Zeit, im Wissen um Anwendungsverfahren und die Umsetzung von Ideen mittels verfügbarer Technologie, steht für Hafner die Idee und das Konzept einer neuen Arbeit im Vordergrund, darauf folgen Überlegungen zur formalen und inhaltlichen Umsetzung und zur Adaption eines geeigneten Mediums. Diesem Ansatz entsprechend führt er immer wieder vor, wie Funktionsprinzipien von Apparaten aus dem Bereich der Unterhaltungselektronik unterwandert oder umgewidmet werden, wie Hightech zu Lowtech wird.

Eine Adaption traditioneller Tafelmalerei in Anlehnung an physikalische und chemische Prozesse der Lichtmalerei, an die die man sich heute gerade noch als analoge Fotografie erinnert, gelingt Hafner mit seinen „Regen-Momentaufnahmen": „Ich habe seit meiner Kindheit die Angewohnheit hinauszugehen, wenn sich Regen ankündigt, um mitzuerleben und mitzufühlen, wie sich das Wetter verändert, welche Stimmung herrscht, welche Kräfte am Werk sind." Die Beobachtung verschiedener Konstellationen von Regen führte zur Entwicklung eines geeigneten Abbildungsverfahrens. Bildträger werden, vergleichbar dem Belichtungsvorgang in der Kamera, für wenige Augenblicke dem Regen ausgesetzt. Die spezielle Grundierung dieser Leinwände bewirkt, dass Tropfen nur leicht angesaugt werden und für kurze Zeit ihre Form halten. In einem nächsten Schritt wird eine Mischung aus Pigment und pulverisiertem Bindemittel aufgebracht und nach Trocknung das überschüssige Pulver abgeblasen. Zurück bleiben Markierungen, die je nach Tropfengröße und Regendichte verschiedenartige Punktstrukturen wie in einem All-over ergeben. Die Einzigartigkeit des so festgehaltenen Augenblicks im Bild bezeichnet Daniel Hafner durch Zusatzinformationen meteorologischer Daten, Ort der Aufnahme, Datum, Aufnahmedauer und den für Tafelbilder üblichen Format- und Bildträgerbeschreibung.

Daniel Hafner im Web:
Externe Verknüpfung http://hafner.artfolder.net

 

Wenzel Mraček, Dezember 2007