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Multikulturelle Zuckungen

Murat Aygan lebt seine Musikphantasie aus - am liebsten als ungewöhnliche Fusion.

Murat Aygan © Paulino Jiménez
Murat Aygan
© Paulino Jiménez

„Schräge Sachen" machen Murat Aygan am meisten Spaß. Je ungewöhnlicher eine Location und je außergewöhnlicher der Auftritt, umso heftiger kitzelt es den Musiker in den Fingern, die Saiten seiner türkischen Laute Saz in Schwingung zu versetzen. 1971 in der Türkei geboren, zog Aygan mit acht Jahren nach Tirol und 1991 nach Graz. Zur Musik ist er durch seine Familie gekommen. Figuren wie die Troubadoure seiner Heimat Mittelanatolien haben den Musiker seit seiner frühen Kindheit geprägt. Das Spielen der türkischen Langhalslaute brachte sich Aygan als Jugendlicher selbst bei. Familien-hochzeiten fungierten als Musikstunden. Aygan kopierte die Griffe der Sazspieler und verbesserte das Lautenspiel von Hochzeit zu Hochzeit.

Mit seiner Musikgruppe Aora bereicht Murat Aygan die steirische Musiklandschaft seit 1995 mit neuen Rhythmen und ungewöhnlichen Musikfusionen. Die ersten „multikulturellen Zuckungen" passierten im Studentenlokal Triangel. Aora setzt sich aus häufig wechselnden Profi- und Laienmusikern verschiedenster Herkunft zusammen, die sich gemeinsam ihren Musikphantasien hingeben. „Wir beschränken uns nicht auf anatolische oder orientalische Musik mit Balkanelementen. Durch jeden Musiker verändert sich die Musik. Wer dazu kommt, hinterlässt Spuren. Aora ist eine Fusion, die bleibt!", sagt Aygan. Menschen aus Indien, Uruguay, Ägypten, Marokko, Österreich und vielen Ländern mehr, haben ihre musikalischen Wurzeln bereits bei Aora verankert.

Aygan arbeitet als Dolmetscher und Deutschlehrer. Musik ist für ihn ein Hobby, eine Leidenschaft, die ihren Reiz nicht durch den Druck des Geldverdienens verlieren darf. „Es soll nicht monoton werden, keine Arbeit sein, das war nie mein Ziel", sagt Aygan.
Beim steirischen herbst 2007 wirkte Aora als Teil des Volksgarten Orchestra, einem Orchester aus dreißig Menschen mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen. „So etwas Ähnliches machen wir immer", sagt Aygan. Als DJ Muratti versetzt er mit ungewöhnlichen Beatmischungen Tanzbein und Trommelfell seines - manchmal auch außergewöhnlichen - Publikums in Rage. „Vor kurzem habe ich beim Bauernmarkt am Lendplatz aufgelegt, solche Sachen taugen mir", lacht Aygan.

Musikmachen bedeutet für Murat Aygan Spaß haben, einen anderen Zugang zu den Menschen finden und mehr Möglichkeiten haben, mit anderen zusammen zu arbeiten. „Allein wird mir fad - sowohl als Musiker als auch als DJ", sagt Aygan, für den Musik durch die Kommunikation mit anderen Musikern und dem Publikum zu leben beginnt. Aora-Musik ist live und einmalig. Konservierung gibt es nicht. Eine Ausnahme machte die Gruppe für den Megaphon Sampler. Für diese besondere Tonmischung wurde ein eigens komponierter Song aufgenommen. Sehr oft wird bei Aora improvisiert. „Das sind die spannendsten, die schönsten Momente. Ich möchte die Musik ausleben!", sagt Aygan mit Begeisterung.

Bei einem seiner nächsten Projekte wird der Musiker für ein türkisches Filmfestival in Hallein eine Performance aus türkischen, österreichischen und deutschen Volksliedern zusammenstellen - eine Herausforderung genau nach Aygans innovativ ausgefallenem Geschmack. Aktuell brennt seine musikalische Liebe für die orientalische Zither Kanun. Das Kanun gibt den Ton an, der Name bedeutet soviel wie Gesetz. Für Murat Aygan, dessen Leben oft vorwiegend aus Hin- und Herhetzten von einem zum anderen besteht, ist sicher: „Die Musik ist eine Leidenschaft, die mich immer begleitet!"

 

Michaela Hawlik ,Dezember 2007