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Inspiriert von der Club-Kultur

Peter Jakober: Ich schreibe, was ich hören will.

Peter Jakober lässt sich ungern in ein bestimmtes Eck drängen. „Der Begriff ‚Neue Musik' ist doch lediglich eine Schublade, der man gerne noch einen akademischen Mantel umhängt", so der 1977 in Kaindorf an der Sulm geborene Komponist, der zurzeit in Rotterdam lebt. Er selbst versuche dagegen, beim Schreiben überhaupt nicht daran zu denken, „Neue Musik" zu produzieren.

Bestärkt hat ihn darin vor allem Georg Friedrich Haas, bei dem Jakober - neben Gerd Kühr - an der Kunstuniversität Graz Komposition studierte und dort 2006 auch mit Auszeichnung abschloss. Denn Haas bestärkte ihn darin, nur das zu schreiben, was er auch wirklich hören wollte. Ähnlich wie Haas arbeitet auch Jakober in seiner Musik mit bewusst eingesetzten Unschärfen. Die Inspiration, bestimmte Überlagerungstechniken auf traditionelle Instrumente zu übertragen, kam jedoch aus einer für die Neue Musik unerwarteten Richtung, nämlich aus der aktuellen DJ-Clubkultur. Die Schichtung verschiedener Rhythmen habe ihn besonders fasziniert, so Jakober, der diese Technik in komplexer Weise ausbaute und auf verschiedene Instrumentalzusammenstellungen anwandte.

In der praktischen Umsetzung geht Jakober dabei ungewöhnliche Wege: „Den Musikern werden durch Ohrhörer Klicks in verschiedenen Tempi zugespielt, so lasse sich die für meine Musik notwendige Präzision am adäquatesten umsetzen." Durch die teilweise nur minimalen metrischen Abweichungen entstehen so rhythmische Verschiebungen und Reibungen, die sich durch die teilweise Verwendung von Mikrointervallen auch in harmonischer Hinsicht spiegeln. Ein strenges rationales System verwende er dabei aber nicht. „Ich arbeite zwar gerne mit Primzahlenverhältnissen, aber lediglich deswegen, weil dadurch das größte Maß an Vielschichtigkeit und Freiraum gewährleistet wird."
Für Peter Jakober, der die Interpreten seiner metrischen Schichten auch gerne im Raum auffächert, wird das Komponieren dabei zum Kombinieren von verschiedenen Klangschichten, die entstehende Partitur fungiert als zum Mischpult. Im Gegensatz zu seinen elektronisch ausgestatteten Kollegen sind die verwendeten Mittel jedoch sehr einfach: „Ich arbeite zumeist traditionell mit Papier und Bleistift."

Auf die Frage, warum er so gerne mit diesen rhythmischen Vielschichtigkeiten arbeite und ob vielleicht - ähnlich wie bei Ligeti - ein bestimmter politischer Impetus hinter diesem Spiel mit Parallelitäten stecke, offenbart sich in Peter Jakobers entwaffnender Direktheit wieder seine Verwurzelung in der hedonistischen Club-Kultur: „Es klingt einfach so geil!"

Ob er sich einer speziellen Tradition, etwa der Minimal Music, verbunden fühle? Nicht wirklich. Jakober nennt zwar Steve Reich als eines seiner kompositorischen Vorbilder, den Chancen oder auch Gefahren, sich in den Fahrrinnen von Traditionen zu bewegen, steht er sonst aber gelassen gegenüber. „Man lebt doch immer in Traditionen. Ich selbst habe auch kein Problem anderen Stilen gegenüber."
Eher sind es Filme, die Jakober als unmittelbare Inspirationsquelle nennt; freilich im übertragenen Sinn. Ihn faszinierten die Werke von Alfred Hitchcock und Francois Truffaut, so Jakober, einerseits wegen deren spürbarer Liebe zum Detail, vor allem aber wegen der so unangestrengt wirkenden Selbstverständlichkeit, mit der hier großes Kino gemacht werde.

Robert Spoula

Stand: Dezember 2007