Link zur Startseite

Der Theaterpraktiker

Christian Winkler schreibt Stücke am laufenden Band.

Christian Winkler © priv.
Christian Winkler
© priv.

Der junge steirische Schriftsteller Christian Winkler hat aus nächster Nähe erfahren, worauf es bei der Dramaturgie eines Theaterstücks ankommt, ist der 26-Jährige doch selbst immer wieder auf der Bühne gestanden („Bin aber ein schlechter Schauspieler"). Obwohl seine ersten literarischen Gehversuche in der Prosa lagen - „Mit zehn oder elf Jahren habe ich meine ersten Krimis geschrieben, Kurzgeschichten über einen Columbo-artigen Krimihelden" -, gründete er die TellerRandgruppe, wo er sich als Schauspieler, Autor und Regisseur austoben konnte. Es folgten Theaterstücke wie „Ein Unsinn des Lebens" (1998), „Asphalt"
(1999), „schlauchen oder die Himmelfahrtsstraße" (2001), „D'erbo", „EXIT - mindestens haltbar bis Ende..." (2003), „Ein ZwischenIch zu Dritt", „Freisprechen" (2004) sowie „Flowers - wir sind froh, alle dasselbe zu fühlen" und „Gibbard & Söhne" (2005). Nicht abgehobene Sprachversuche, sondern die Beschäftigung mit Situationen, Verhaltensmustern oder Vorstellungen kennzeichnen Christian Winklers Arbeiten, in denen immer wieder irreale Einschübe die scheinbare „Normalität" unterlaufen.

„Du weißt doch, wie ich an Sonntagen bin. Schon der Samstag ist wie ein Sonntag und der Montag fängt eigentlich wieder mit einem Sonntag an. [...] Bestimmte Dinge sind einfach so, weil diese Dinge so sind auch wenn du sie oft anders siehst - man kann diese Dinge nicht ändern", heißt es in „Flowers".
Die Theaterstücke waren zum Teil Auftragswerke, so zum Beispiel für das Nationalmuseum Majdanek in Polen, die Grüne Akademie Graz und das Schauspielhaus Graz. Für das Schauspielhaus hat er die sechsteilige Serie „Life of Graz" geschrieben, eine Ansammlung kurzer, oft schräger Geschichten aus den 50er-Jahren. Der Autor bezeichnet diese Arbeit als eines seiner wichtigsten Projekte: „Es war eine große Herausforderung, in einem halben Jahr sechs Theaterstücke zu schreiben, es waren insgesamt fast 300 Seiten Text. Das hat wirklich Spaß gemacht und hat mich als Autor gefestigt und davon überzeugt, dass ich auch in kurzer Zeit Stücke schreiben kann". Für das Schauspielhaus hat er auch für Shakespeares „Wie es Euch gefällt" (September 2007) neue Texte verfasst.

Christian Winkler, der nach Abschluss der Handelsakademie in Deutschlandsberg seinen Zivildienst im ehemaligen Konzentrationslager Majdank geleistet hat, beschäftigt sich auch mit Lyrik, wenn auch bisher nicht ganz so intensiv wie mit dem dramatischen Schreiben. Gelsen stechen den Morgen herbei/ lassen mich verwundert schlafen/ der Tag beginnt nur wann er will/ am Besten nicht am Abend (aus: „Immer wenn die Heizung ausgeht wird es dunkel).

Mehrmals wurde Winkler schon mit Literaturpreisen ausgezeichnet: Im Rahmen von Graz Kulturhauptstadt 2003 (shortcuts), mit dem Förderpreis für junges Theater, beim Literaturwettbewerb Deutschlandsberg sowie zuletzt mit dem Retzhofer Literaturpreis für sein Stück „Operation Kurcak and the Art of Camouflage". Derzeit arbeitet er in London an einem Theater-Musik-Projekt, das sich mit dem Thema „Selbstlüge" beschäftigt. Für die Zukunft wünscht sich Christian Winkler, „weiterhin Theaterstücke zu schreiben, aber ich würde auch gerne an einem Roman arbeiten. Vor allem aber möchte ich meine Arbeit als Regisseur vertiefen, weil ich das Inszenieren sehr mag und mich eher als Theaterpraktiker sehe als nur als Theaterautor. Beides erfolgreich zu machen und auch zu gleichen Teilen als Regisseur wie als Autor angesehen zu werden, wäre mein Ziel."

Weitere Infos:
Externe Verknüpfung www.christianwinkler.com

Karin Zehetleitner, Dezember 2007