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Freiheit, die ich mir wünsche (*)

Marina Zettl singt den Jazz, ohne sich in Schubladen stecken zu lassen.

Marina Zettl  © priv.
Marina Zettl
© priv.

Eigentlich kann man nicht auf zwei Hochzeiten gleichzeitig tanzen, sagt der Volksmund. Marina Zettl tanzt zwar nicht, schafft es aber locker, auf gleich mehreren Hochzeiten zur gleichen Zeit künstlerisch tätig zu sein. Die 1982 in Graz geborene Zettl lässt sich auch nicht gern in irgend-welche Schubladen stecken. Schon bald, nachdem sie als Kind mit klassischem Klavierunterricht am Konservatorium begann, merkte sie, dass „die Klassik mich zu sehr eingeschränkt hat." Seit ihrem neunten Lebensjahr gehört ihre wahre Liebe dem Gesang, sie sang zuerst in verschiedenen Chören, nahm dann Einzelunterricht und studierte an der Jazzabteilung der Grazer Kunst-universität Jazzgesang, unter anderem bei Mark Murphy und Jay Clayton. Doch auch hier wurde es Marina Zettl bald zu eng, und sie beendete 2005 zumindest vorläufig ihr Studium. „Nach einigen turbulenten Semestern", wie sie augenzwinkernd zugibt.

Auf Vorbilder angesprochen nennt sie etwa Eva Cassidy oder Natalie Cole, aber besonders angetan haben es ihr Vocal Ensembles wie die New York Voices oder Manhattan Transfer. „Mich fasziniert vor allem die Gruppendynamik und die Interaktion zwischen den einzelnen Mitgliedern solcher Gruppen". Genau diese Interaktion führte nach einem eher zufälligen Aufeinandertreffen mit dem Grazer Pianisten Michael Kahr dazu, eine eigene Band zu gründen. Zuerst firmierte sie als Marina Zettl Group, bald aber schon wurde der Name zu m&m geändert. Wurde zu Beginn noch das American Songbook ausgereizt, so schrieb man bald eigene Songs und spielte eine erste CD ein. „Mit Michael erlebe ich genau diese Teamarbeit, aber auch die Freiheit, die ich mir wünsche. Jeder Titel kann jeden Abend ganz anders klingen, auch weil wir uns oft die unterschiedlichsten Gastmusiker einladen." Einst von einem Zuhörer eines Konzerts als „therapeutische Behandlung" bezeichnet, bringt Zettl es auf den Punkt: „Man muss einfach Spaß auf der Bühne haben, nur dann kann der Funke überspringen."

Zettls zentrale Frage ist, was man mit der Stimme alles machen kann. Sie experimentiert gerne, setzt auch schon mal elektronische Hilfen wie das Kaoss-Pad ein oder versucht sich auch im Beatboxing. Bei m&m macht sie aber auch ganz bewusst Musik, die einem kommerziellen Anspruch nicht aus dem Weg geht. „Für uns zählt die Qualität der Musik, die Art und Weise, wie wir sie eben spielen und singen. Da ist durchaus auch Platz für poppigere Töne - warum auch nicht?" Marina Zettl möchte damit beweisen, dass es in der Musik und vor allem im Jazz nicht unbedingt starre Grenzen geben muss. Ein zweites Album wird gerade vorbereitet, das im April 2008 im Wiener Birdland präsentiert wird.

Neben ihrer Arbeit mit m&m bleibt aber noch Zeit für weitere Projekte. So arbeitet sie mit Gitarre und Akkordeon an einer Konstellation namens „Fikus" und im Frühjahr 2008 wird eine Solo-CD bei einem Londoner Label erscheinen, welche bezeichnenderweise „Diversity" heißen wird. Genau diese Vielfalt packt Zettl mit einer wunderbaren Leichtigkeit in einen äußerst zuträglichen Mix aus Vokaljazz auf höchstem Niveau gemischt mit kommerzielleren Tönen, ohne jemals alltäglich zu werden.

Weitere Infos:
Externe Verknüpfung www.marinazettl.com

Christian Salentinig, Dezember 2007

Ausdrucksstark, abwechslungsreich und vielfältig wie ihre Stimme ist auch die Karriere von Marina Zettl verlaufen. Die Jazzformation „m&m" von Marina Zettl und Michael Kahr wurde aus rechtlichen Gründen „miss | mister" umgetauft; 2008 erschien ihr erstes Album, „bittersweet". Die achtköpfige Band ist seit einiger Zeit Partner der international bekannten Mikrofonherstellers AKG Acoustics: Songs von „miss | mister" wurden neu arrangiert und ausschließlich mit AKG-Produkten aufgenommen. Die dabei entstandenen Videos wurden bei verschiedenen Musikmessen gezeigt, u. a. bei der NAMM Show 2011 in Los Angeles, der größten Musikmesse weltweit.

Im Nujazz-Projekt von Marina Zettl und Thomas Mauerhofer fand die CD „fikus" 2010 den Weg an die Öffentlichkeit. „Eine perfekte Symbiose aus chilligen Elementen, das Beatboxing treffend eingesetzt,", schreibt Christian Salentinig in seiner Rezension auf der Jazzplattform „Jazzdimension". Ein zweites Album von Zettl-Mauerhofer ist in Arbeit und wird 2011/12 erscheinen.

Außerdem ist Marina Zettl als Sängerin in Oliver Stegers „Jakob Pocket Band" aktiv; die CDs dieser Band liegen den Kinderbüchern „Jazz für Kinder", „Carlas musikalische Weltreise" und „Jakobs Manage" bei - alle erschienen im Verlag Annette Beltz. Im Frühjahr 2011 wurde dort Oliver Stegers und Peter Friedls neues Buch „Ella und Ludwig entdecken die Musik" veröffentlicht - wieder mit CD.

Werner Schandor, März 2011