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Dreckig, aber gut

Der gemischte Grazer Indie-Rock-Vierer Lady Lynch legt Wert auf glamouröse Posen und ungepflegten Rock-Appeal. Der Schlagzeuger wird demnächst ein Label für Audiokassetten gründen.

Lady Lynch © priv.
Lady Lynch
© priv.

Auch wenn man es vermuten könnte: Lady Lynch sind keine Verehrer vom Regie-Großmeister David Lynch. Der Bandname entstand eigentlich aus einem Missverständnis heraus. Beim schlampigen Drüberlesen wurde für den Schlagzeuger Christian Sundl aus Lydia Lunch, der dunklen Underground-Ikone der 1980er, im Handumdrehen Lady Lynch.

Mit diesem Namen sind die vier Mittzwanziger jetzt eben seit drei Jahren unterwegs. Als trashig-glamouröse Indie-Rock-Combo, für die Performance und Kunstsinnigkeit mehr Rolle spielt als ein einwandfreies Beherrschen der Instrumente. Gitarre, Bass und Schlagzeug stehen ihnen zur Verfügung. Obwohl das so nicht einmal stimmt. Bis vor kurzem mussten sie sich die Instrumente für Probe und Konzerte noch ausborgen. Dabei sind sie in letzter Zeit ohnehin wenig zum Spielen gekommen. Die Gitarristin Lina Gärtner war ein Jahr in der Ukraine. Die Sängerin, Theresa Adamski, befindet sich gerade in Prag. Der Bruder von Christian Sundl, Andreas, schreibt derzeit an seiner Diplomarbeit in Psychologie und bedient ebenfalls die Gitarre.

Die Fleißigsten beim Proben waren Lady Lynch ohnehin nie. Die zwei im Eigenverlag veröffentlichten EPs sind dennoch unbedingt empfehlenswert. Obwohl oder gerade weil die musikalisch-technischen Qualitäten als eigenwillig zu bezeichnen sind. Lasziv, trashig und sehr nonchalant offenbaren sich die äußerst verlangsamt gespielte Rockskizzen, die in ihrer Unbekümmertheit vielleicht noch am ehesten Bezüge zu der Offenheit der New Yorker No Wave-Szene Ende der Siebziger herstellen. Obwohl Christian Sundl bescheiden hinzufügt: „Handwerklich sind wir schon besser geworden. Die Leute, die zu unseren Konzerten kommen, sagen, man merkt es."

Und ohne auch nur annähernd in die Nähe der Rotation österreichischer Radiostationen gekommen zu sein, haben Lady Lynch gleich zwei Videos abgedreht. Eines davon hat der junge Grazer Filmemacher Claus Prinz angefertigt, das andere stammt vom Designer, Musiker und Konzertveranstalter Mario Rampitsch. Beide Videos sind übrigens auf der myspace-Seite von Lady Lynch zu sehen. Das von Rampitsch konzipierte Video steht der wunderbaren Trash-Ästhetik, wie sie Ed Wood berühmt gemacht hat, um nichts nach. Mit Rampitsch, der unter anderem das Elektronikprojekt Le TamTam und den Kulturverein Feinkost Royal mitbetreibt, wird Sundl demnächst ein Label gründen. „Show Me The Major Label Wilhelm" wird es heißen, betrieben als Sub-Label des langgedienten Grazer Labels KIM. Während andere Feinspitz-Labels für Minderheiten derzeit gerne exklusive Vinyl-Veröffentlichungen herausbringen, wird „Wilhelm Show Me The Major Label" noch einen Schritt weitergehen. Veröffentlicht wird nämlich ausschließlich auf Audiokassette. Ein Format, das zwar aus der Welt ist, allerdings bekommt man mit dem Kauf einer Kassette gleichzeitig einen Download-Code, der die jeweiligen Stücke auch digital abrufbar macht. Der Idee ist für Sundl leicht erklärt: „Es ist sehr schwer, auch nur irgendwie aufzufallen. Die Kassette ist eben heutzutage schon etwas sehr Ungewöhnliches." Der erste Streich wird ein Mixtape sein. Neben Lady Lynch und Le TamTam werden etwa auch die Upperclass Shoplifters, Black Fox Dance oder die derzeit äußerst erfolgreichen Killed by 9V Batteries vertreten sein.

Weitere Informationen:
Externe Verknüpfung www.myspace.com/ladylynchmusic
Externe Verknüpfung www.myspace.com/wilhelmshowmethemajorlabel

 

Tiz Schaffer, November 2007