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Erfinder des Klangsauriers

Der Künstler Constantin Luser ist der erste Gewinner des BC21 Art Award.

Constantin Luser © Martin Behr
Constantin Luser
© Martin Behr

Er hat das Grazer Posthochhaus in eine „Lichtschreibmaschine" umgewandelt, für eine Ausstellung in Kairo einen „Trommeliglu" entworfen und arbeitet nun an der Umsetzung einer riesigen Blasmusikinstrument-Skulptur, die „Vibrosaurus" heißt: Constantin Luser, 31-jähriger Künstler aus Graz. Der in Wien lebende Luser erhielt kürzlich den mit 20.000 Euro dotierten, erstmals vergebenen BC21 Art Award, der von der Boston Consulting Group Wien in Kooperation mit dem Belvedere gestiftet wurde.

Einer breiteren Öffentlichkeit bekannt wurde der Steirer mit Zeichnungen, die direkt auf den Wänden, dem Boden oder der Decke der Galerie, des Kunstraums zu sehen sind, und die auch während der Ausstellungsdauer noch bearbeitet werden: work in progress also.

Diese Zeichnungen ähneln nicht selten den feinteiligen Konstruktionsplänen eines Industrieproduktes, was wiederum auf die Biografie von Constantin Luser verweist: Er ist Absolvent des Grazer Fachhochschullehrgangs „Industrial Design". Die Lust an der kleinteiligen, spontanen Zeichnung ist ihm geblieben, mittlerweile werden seine Entwürfe auch in die Realität umgesetzt. Luser, der an der Universität für Angewandte Kunst (Visuelle Medien: Brigitte Kowanz) und an der Akademie der bildenden Künste (Konzeptuelle Kunst: Renee Green) studiert hat, lässt seine fantasievoll-monströsen Musikinstrumente von Experten in Tschechien anfertigen.  

Die Mixtur aus Skulptur und Instrument wird aus 30 Waldhörnern und Tuben gefertigt und soll von einer Brass Combo oder einer Gipsy Band genutzt werden. „Das wird ein sehr archaischer Sound, gut wäre es, eine eigene Komposition für den Klangsaurier zu haben. Vielleicht ist Olga Neuwirth interessiert", erklärt Luser im SN-Gespräch. Der Grazer hat im Spannungsfeld von Kunst, Gesellschaft, Utopie und Industrie einen eigenen Stil entwickelt, seine spielerischen Grafiken sind ausufernde Gedankenproto-kolle mit einem ironischen Bezug zur Medienwelt.

Ein Skizzenbuch führt Luser immer mit sich, seine üppig wuchernde Fantasie bringt er an allen möglichen Orten zu Papier. So entstehen flirrende Tagebücher aus Wort und Bild, die er später als Künstlerbücher veröffentlicht. Constantin Luser ist ein obsessiver Forscher zwischen analogen und digitalen Welten, ein Pendler zwischen Mikro- und Makrostrukturen, ein mit Humor operierender Fallensteller. Unter dem Deckmantel konstruierter Funktionalität produziert er keine perfekten Maschinen, sondern assoziationsreiche Kunst: Chiffren für (organische) Vorgänge jenseits der Realität.

Lusers „Rotationsquartett" dient dem Besucher als Interaktions- und Handlungsraum. Was an die legendäre „Weltmaschine" des steirischen Bauern Franz Gsellmann erinnert. Constantin Luser: „Ja, die gefällt mir: die Überlagerungen von Dingen und Prozessen, das Verdichten ohne Ende."

Martin Behr , Oktober 2007

Veröffentlichung eines Textes aus den Salzburger Nachrichten vom 11.10.2007. Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Verlages.