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Erwachsenenblickwinkel und Kinder(literatur)perspektiven

von NRAbg. Dr. Andrea Wolfmayr

Erwachsenenblickwinkel und Kinder(literatur)perspektiven - von NRAbg. Dr. Andrea Wolfmayr

Der Gründe gibt es viele, warum manche Erwachsene Augenkontakt (Seelenkontakt) zu Kindern herstellen können, gar „kind-gerecht“ schreiben, im Sinn von „dem Kind gerecht werden“.
Ich nenne zwei Zugänge, die ich vermute bei AutorInnen, die den Kindern etwas mitteilen, die bei den Kindern/in ihrer Literatur sein wollen, und beide sind an extremen Polen gelagert: Für den/die eine/n war Kindheit das gelobte Land, die eigentliche Heimat, in das man sich zurück sehnt. Für andere waren es furchtbare Zeiten, glanzlose, gerade noch überlebt, und aus diesem „Nie wieder!“ entstand der Wunsch zu helfen.
Damit Kinder verstanden werden und nicht allein bleiben, einsam, vernachlässigt, verwahrlost, unverstanden.
 

Kindlich denken, sein oder schreiben hat heutzutage leider nicht viel Wert. Unsere Leistungsgesellschaft gibt dem Kindlichen so wenig Platz wie dem Kind, obwohl wir wissen, dass wir sie brauchen, dass wir an (und am) Kindermangel leiden. Je weniger Kinder aber, desto mehr rücken sie ins Zentrum, desto mehr Angst haben wir um sie, sorgen uns um ihre Zukunft, möchten ihnen ganz gezielt die besten Startchancen ermöglichen.
Umso früher werden also schon die Kleinen pädagogisch vorbereitet und vorgeformt, damit sie ihre Anlagen so gut wie möglich ausbilden. „Das Beste für mein Kind“ ist Gesetz, das bisweilen wuchert, Auswüchse treibt.
 

Kindlich, das sollte eher eigene Zeit bedeuten, Freiräume, Freiheit, Achtung für das Sosein und die Eigenart eines jugendlichen Alters, Sorgfalt und Respekt davor, Interesse. Unser Zugang zur Kindheit ist aber künstlich, wir verzerren das Kindliche, es wird allzu oft ein anthroposophisches, ein kämpferisches Kindliches, ein Ideal, ein Idol von Kindheit, ein Rousseausches, ein alternativ-pädagogisches, ein Privatschulen-Kindliches, in dem mit allen Mitteln versucht wird, dem Kind „das Kindliche“ zu bewahren. Aber dieses Kindliche ist wiederum nichts als reine Projektion von Erwachsenen.

Doch wie wir wissen, kommt Zukunft meist anders als Zukunftsforscher denken, Gott sei Dank, und menschliches Leben, menschliche Intelligenz ist erfinderisch.
Ein Großteil der Kinder entkommt dem Korsett, egal ob konservativ oder alternativ, und Kinder werden, mehr oder weniger verformt oder geformt, zu dem, was sie werden sollen und werden wollen, aus sich selbst.
Und es wird immer passieren, immer so weitergehen, in wechselnder Verkleidung. Es wird weiterhin kindische Literatur geben und kindliche und kindgerechte – es wird Kinderliteratur geben. Und die Kinder werden lesen und in letzter Instanz entscheiden, welche „ins Töpfchen und welche ins Kröpfchen“ wandern. Weil der Austausch von dem, was wir einander mitteilen können und voneinander lernen, was wir lehren können und uns gelehrt werden kann, weil der klare, schlichte, einfache und ehrliche Austausch von Geschichten nie endet.

 

Kontakt:

Nationalratsabgeordnete Dr. Andrea Wolfmayr - E-mail >>>

 
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